Prozesse und Knowhow

Lieferabruf, Feinabruf, JIT- und JIS-Abruf, Fortschrittszahl, Lieferung, Packstück mit NVE, Lieferavis, Etikett, Abrechnung, Zahlungsavis — das ist die Kette, über die ein Automobilzulieferer seine OEM-Kunden beliefert und abrechnet: als EDIFACT-Nachricht nach VDA-Empfehlung beim Kunden, als IDoc im SAP. SD-Customizing und EDI-Seite in einer Hand, auf ECC 6.0 und auf S/4HANA.

Diese Rubrik geht die Kette Station für Station durch und nennt Tabellen, Felder, Bausteine und Meldungsnummern zum Nachsehen. Die SAP-Angaben sind vor der Veröffentlichung im System nachgesehen, nicht aus dem Gedächtnis geschrieben; wo eine Aussage aus der SAP-Dokumentation statt aus dem System stammt, steht es dabei. Die VDA-Nummern stammen aus der Empfehlungsliste des Verbands — dafür gibt es im SAP kein Objekt. Was sich nicht belegen ließ, steht eine Ebene abstrakter da oder gar nicht.

Die Zulieferer-Prozesskette Prozessgrafik in zwei Bahnen. Obere Bahn von links nach rechts, sieben Stationen: Lieferabruf vom Kunden (Nachrichtenart DELINS auf Basistyp DELFOR02, Vorgangscode DELI), Lieferplan mit Einteilungen (Findung ueber den Index VLPKM, Abrufart im Feld SCREL des Segments E1EDP10), Lieferung und Kommissionierung (Lieferfaelligkeitsliste VL10, Einteilungstyp in Tabelle TVEP), Verpackung in Handling Units (NVE beziehungsweise SSCC, achtzehnstellig, gesteuert ueber die Packmittelart in Tabelle TVTY), Warenausgang mit Bewegungsart 601, Lieferavis an den Kunden (DESADV auf Basistyp DELVRY03, VDA 4987) und Faktura (INVOIC im Ausgang, VDA 4938). Am rechten Rand steht der Kunde. Von dort laeuft die untere Bahn in Gegenrichtung von rechts nach links zurueck: Gutschriftsverfahren (GSVERF im Eingang, Abgleich gegen die Faktura, VDA 4938) und Zahlungsavis (REMADV im Eingang, Ausgleich im FI, VDA 4988). Gelb markiert ist die Lieferplanfindung als Bruchstelle der Kette mit den Meldungen V4 034 und V4 035. Die Zulieferer-Prozesskette Vom Lieferabruf bis zur Abrechnung — und zurück Lieferabruf vom Kunden DELINS auf DELFOR02 Vorgangscode DELI Lieferplan und Einteilungen Findung über VLPKM SCREL in E1EDP10 Lieferung und Kommissionierung Lieferfälligkeit VL10 Einteilungstyp TVEP Verpackung in Handling Units NVE/SSCC, 18-stellig Packmittelart TVTY Warenausgang Bewegungsart 601 Lieferavis an den Kunden DESADV auf DELVRY03 VDA 4987 Faktura INVOIC im Ausgang VDA 4938 Kunde Bruchstelle der Kette — die Lieferplanfindung V4 034: kein Treffer · V4 035: nicht eindeutig Rückfluss vom Kunden Der Kunde rechnet selbst ab und avisiert die Zahlung. Beide Nachrichten laufen beim Zulieferer im Eingang. Gutschriftsverfahren GSVERF im Eingang Abgleich gegen Faktura VDA 4938 Zahlungsavis REMADV im Eingang Ausgleich im FI VDA 4988 Prozessrichtung Bruchstelle DELINS = SAP-Nachrichtenart oder Objekt
Die Kette vom Lieferabruf bis zur Abrechnung — und zurück

Im SAP stehen Nachrichtenarten, Basistypen und Vorgangscodes, keine VDA-Nummern. Nachrichtenart und Basistyp sind dabei verschiedene Ebenen: DELINS ist die Nachrichtenart, DELFOR01 und DELFOR02 sind die Basistypen — einen Basistyp DELINS gibt es nicht. Ebenso beim Lieferavis: DESADV ist die Nachrichtenart, DELVRY01 bis DELVRY07 sind die Basistypen.

Zwei Stränge im Eingang

Lieferabruf und Feinabruf teilen sich einen Eingang: die Nachrichtenarten DELINS, DELFOR und DELJIT auf den Basistypen DELFOR01 und DELFOR02, verarbeitet über den Vorgangscode DELI zum Lieferplan. Der JIT-Abruf läuft daneben als eigener Strang mit eigenem Beleg: Auf den Basistypen SEQJIT01 bis SEQJIT03 sitzen zwei Nachrichtenarten — SEQJIT für den sequenzierten und PAB_ORDERS für den Mengenabruf. Fachlich unterscheidet der Abruftyp im Kopfsegment drei gleichrangige Fälle: produktionssynchroner Abruf, Mengenabruf und interner Abruf aus dem Pufferlager.

Der Feinabruf kommt als EDI-Nachricht im Regelfall nicht über den JIT-Strang, sondern über DELINS im Lieferplan-Strang. Systemintern ist der Weg dagegen offen: Der Abgleich der JIT-Abrufe gegen Liefer- und Feinabruf (Transaktion JITH) erzeugt daraus Feinabrufe innerhalb des Feinabrufhorizonts — wahlweise per Batch-Input auf den Lieferplan oder über ein erzeugtes IDoc. Wer einen Feinabruf im System sucht und ihn im EDI-Eingang nicht findet, sollte diesen Weg mitprüfen.

Welcher Abruf läuft über welchen Strang Gegenüberstellung der beiden EDI-Eingangsstränge im SAP-Standard. Links der DELFOR-Strang: Nachrichtenarten DELINS, DELFOR und DELJIT auf den Basistypen DELFOR01 und DELFOR02, Vorgangscode DELI, Eingangsbaustein IDOC_INPUT_DELINS_START, der IDOC_INPUT_DELINS ruft; die Abrufart steht je Position in E1EDP10-SCREL, Ergebnisbeleg ist der Lieferplan mit der Abrufart ABART 1 für Lieferabruf und 2 für Feinabruf. Rechts der SEQJIT-Strang: Nachrichtenart SEQJIT für den produktionssynchronen Abruf und PAB_ORDERS für den Mengenabruf, beide auf den Basistypen SEQJIT01 bis SEQJIT03 und beide verarbeitet von IDOC_INPUT_SEQJIT; der Abruftyp steht in E1KSJCL-ABTYP, Ergebnisbeleg ist der JIT-Abruf mit der Datenspur JITHD, JITIT, JITCO. Zwischen beiden Spalten ist der häufige Irrtum durchgestrichen, der Feinabruf laufe über SEQJIT. Unten der Hinweis, dass Feinabrufe auch systemintern über den Abgleich JITH innerhalb des Feinabrufhorizonts erzeugt werden. Welcher Abruf läuft über welchen Strang EDI-Eingang beim Zulieferer — zwei getrennte Stränge im SAP-Standard DELFOR-Strang Lieferabruf (LAB) und Feinabruf (FAB) Nachrichtenart DELINS · DELFOR DELJIT — der EDIFACT-Feinabruf Basistyp DELFOR01 / DELFOR02 Vorgangscode und Eingangsbaustein DELI IDOC_INPUT_DELINS_START ruft IDOC_INPUT_DELINS Unterscheidung im IDoc E1EDP10-SCREL (je Position) 02 = Feinabruf · 03 / 04 = Lieferabruf Ergebnisbeleg Lieferplan (Objekttyp BUS2035) Abrufart ABART: 1 = LAB, 2 = FAB SEQJIT-Strang JIT-Abruf Nachrichtenarten — zwei SEQJIT — produktionssynchron PAB_ORDERS — Mengenabruf Basistyp SEQJIT01 / SEQJIT02 / SEQJIT03 Eingangsbaustein IDOC_INPUT_SEQJIT beide Nachrichtenarten, derselbe Baustein Unterscheidung im IDoc E1KSJCL-ABTYP (Abruftyp) S = produktionssynchron · D = Menge Ergebnisbeleg JIT-Abruf (Objekttyp BUS2150) JITHD → JITIT → JITCO Feinabruf häufiger Irrtum systemintern (JITH) Nebenweg: Feinabrufe entstehen auch ohne EDI-Nachricht Der Abgleich JIT-Abrufe mit LAB/FAB (Transaktion JITH, Programm RJITLAB001) erzeugt Feinabrufe aus JIT-Abrufen — begrenzt auf den Feinabrufhorizont VBLB-ABHOR, wahlweise per Batch-Input oder als IDoc.
Welcher Abruf über welchen Strang läuft — Nachrichtenart, Basistyp und Eingangsbaustein je Strang

Die Findung entscheidet, ob der Abruf ankommt

Die Eingangsverarbeitung liest nicht den Beleg, sondern einen Index: VLPKM, im Data Dictionary „Lieferpläne zum Kundenmaterial“, gelesen über den feldgleichen View M_VLPMA. Vorgeschaltet ist die Ermittlung des Auftraggebers über T661W; ob Abladestelle und Bestellnummer als Filter wirken, steuert die Partnertabelle T663A. Verkaufsbereich und Auftragsart stehen zwar im Schlüssel des Index, filtern aber nicht — der Verkaufsbereich wird erst nach dem Zugriff verprobt. Deshalb löst man ein Findungsproblem im Index, nicht in der Beleganzeige.

Wie der Abruf seinen Lieferplan findet Ablaufdiagramm der Lieferplanfindung beim Eingang eines Lieferabrufs: Das IDoc trifft ein, der Auftraggeber wird über T661W ermittelt, die Sonderregel T663A entscheidet über die Abladestelle, danach greift der Zugriff auf den Kundenmaterial-Index VLPKM über den View M_VLPMA. Genau ein Treffer führt zur Verarbeitung, mehrere Treffer zur Meldung V4 035. Findet der Hauptzugriff nichts, sucht der Standard nur noch über Kundenmaterial und Kunde; dieser Notzugriff endet auch bei genau einem gefundenen Lieferplan in V4 035. Wie der Abruf seinen Lieferplan findet Findung des Lieferplans beim Eingang eines Lieferabrufs — SAP-Standard, Funktionsgruppe VED4 IDoc trifft ein Lieferabruf DELINS auf DELFOR01 / DELFOR02 Vorstufe: Auftraggeber ermitteln T661W über Lieferant, Kundenwerk und Abladestelle — Fallback ohne Abladestelle fehlt der Satz in T661W: V4 032 Sonderregel zum Auftraggeber T663A — Kennzeichen ABLADPL entscheidet, ob die Abladestelle überhaupt filtert fehlt die Sonderregel: V4 033 Zugriff auf den Index VLPKM gelesen über den View M_VLPMA Kundenmaterial · Auftraggeber · Kundenwerk Abladestelle · Abrufverwendung · Bezeichnung Positionen mit Absagegrund fallen aus der Trefferliste — Warnung V4 053 Wie viele Treffer? kein Treffer mehrere Treffer genau ein Treffer Verkaufsbereich verproben über TVTA und die Kundennummer beim Lieferanten (KNVV-EIKTO) passt nichts: V4 076 bzw. V4 298 Abruf wird auf dem gefundenen Lieferplan verarbeitet V4 035 Es konnte kein eindeutiger Lieferplan ermittelt werden IDoc bleibt auf Status 51 V4 073/074/075 protokollieren alle gefundenen Lieferpläne samt ihren Findungswerten — damit löst man 035 auf Notzugriff über Kundenmaterial und Kunde Kundenwerk, Abladestelle, Abrufverwendung und Bezeichnung entfallen als Kriterium kein Treffer ein oder mehrere V4 034 Es konnte kein Lieferplan gefunden IDoc bleibt auf Status 51 V4 035 auch dann, wenn es nur einen Lieferplan gibt IDoc bleibt auf Status 51 Bruchstelle: Der Standard zählt einen Einzeltreffer aus dem Notzugriff bewusst als zwei — er kann der falsche Lieferplan sein. Tabellen, Felder und Meldungsnummern am System geprüft.
Wie der Abruf seinen Lieferplan findet — und an welcher Stelle der Weg abbricht

Fortschrittszahlen und Jahreswechsel

Die Fortschrittszahlen kommen positionsbezogen im Abruf an; der Kopf trägt nur die zum Nullstellungsdatum erreichte Zahl. Der Jahreswechsel richtet sich nach der Geschäftsjahresvariante des Warenempfängers, gepflegt in den allgemeinen Kundenstammdaten — fehlt sie, rechnet das System mit dem Kalenderjahr. Vier Reset-Verfahren kennt der Standard, und keines davon steht in einer Customizing-Tabelle: ohne Erweiterung gilt hart das automatische Rücksetzen. Dazu kommt das Nullstellungsdatum, das der Kunde selbst im Abruf mitschickt — ein zweiter, unabhängiger Mechanismus.

Fortschrittszahlen zum Geschäftsjahreswechsel Entscheidungsgrafik zum Rücksetzen der Fortschrittszahlen im Lieferplan. Schritt 1: Das Geschäftsjahr des Kunden richtet sich nach der Geschäftsjahresvariante des Warenempfängers, Partnerrolle WE, Feld KNA1-PERIV in den allgemeinen Stammdaten, nicht nach der des Auftraggebers; ist keine Variante gepflegt, gilt das Kalenderjahr des Abrufdatums und der Jahreswechsel findet trotzdem statt. Schritt 2, gelb hervorgehoben als Falle: Das Reset-Verfahren ist nicht customizingfähig, es gibt keine Customizing-Tabelle und keine IMG-Aktivität; den Wert liefert allein der Baustein SD_DETERMINE_FISC_YEAR_CHANGE, und ohne Erweiterung setzt der Standard hart Verfahren A. Zwei Erweiterungswege: klassisch in ECC und S/4HANA die SAP-Erweiterung V45L0001 mit EXIT_SAPLV45L_004 für das Verfahren und EXIT_SAPLV45L_005 zum Stoppen des Jahreswechsels, die alle vier Verfahren setzen kann; nur in S/4HANA zusätzlich der BAdI SD_SLS_RESET_CUMLTV_QTY_SA mit der Methode RESET_CUMLTV_QTY, der nur A und B annimmt, weil C und D vom Standard verworfen werden. Sind beide implementiert, liefert der BAdI den Vorschlag und die Erweiterung überschreibt ihn. Die vier Verfahren des Standards: A automatisches Rücksetzen zum Jahreswechsel als Standard-Verhalten, B kein Rücksetzen, C kein Jahreswechsel mit Nullstellung über Korrekturlieferungen nur für im ERP geplante Lieferpläne, D Geschäftsjahr von außen mit Reset über Korrektur-Fortschrittszahlen nur für APO- beziehungsweise CIF-geplante Lieferpläne. C und D schließen sich gegenseitig aus; das falsche Verfahren führt zum Abbruch mit Meldung V4 335. Als zweiter Mechanismus neben der Variante sendet der Kunde ein eigenes Nullstellungsdatum im Abruf, IDoc-Segment E1EDK09. Fortschrittszahlen zum Geschäftsjahreswechsel Welches Reset-Verfahren greift — und wo es gesetzt wird 1 Geschäftsjahr des Kunden ermitteln Maßgeblich ist die Geschäftsjahresvariante des Warenempfängers. Partnerrolle WE, Feld KNA1-PERIV in den allgemeinen Stammdaten. Die Variante des Auftraggebers ist nicht maßgeblich. Wenn keine Variante gepflegt ist Dann gilt das Kalenderjahr des Abrufdatums. Der Jahreswechsel findet trotzdem statt — abschalten lässt er sich nur über Verfahren B. 2 Das Reset-Verfahren ist nicht customizingfähig Keine Customizing-Tabelle, keine IMG-Aktivität: den Wert liefert allein der Baustein SD_DETERMINE_FISC_YEAR_CHANGE. Kommt von dort kein Wert, setzt der Standard hart A — ohne Erweiterung ist am Jahreswechsel nichts steuerbar. KLASSISCH · ECC UND S/4HANA Erweiterung V45L0001 EXIT_SAPLV45L_004 setzt das Verfahren. EXIT_SAPLV45L_005 stoppt den Jahreswechsel. Setzt alle vier Verfahren. NUR S/4HANA BAdI SD_SLS_RESET_CUMLTV_QTY_SA Methode RESET_CUMLTV_QTY. Im klassischen ECC gibt es diesen BAdI nicht. Nimmt nur A und B an, C und D verwirft der Standard. Beides implementiert? Der BAdI liefert den Vorschlag, die Erweiterung V45L0001 überschreibt ihn. Die vier Verfahren, die der Standard kennt A Automatisch Fortschrittszahlen werden zum Jahreswechsel auf null gesetzt. Standard-Verhalten. B Kein Reset Kein Rücksetzen zum Jahreswechsel, die Zahlen laufen weiter. C Korrekturlieferungen Kein Jahreswechsel — die Fortschrittszahlen gehen trotzdem auf null. Nur im ERP geplant. D Korrektur-FZ Geschäftsjahr kommt von außen, Reset über Korrektur-Fortschrittszahlen. Nur APO/CIF-geplant. C und D schließen sich gegenseitig aus Falsches Verfahren: Abbruch mit Meldung V4 335. Zweiter Mechanismus: Nullstellungsdatum Der Kunde sendet es im Abruf mit — IDoc-Segment E1EDK09.
Fortschrittszahlen zum Jahreswechsel: welches Verfahren greift — und wo es gesetzt wird

Lager, Versand und Fracht

Im klassischen Lager setzt der Kommissionierbeleg direkt an der Auslieferung an: der Transportauftrag trägt die Lieferung als Bedarf, lagert vom Bestandsplatz in die Versandzone um und wird quittiert, bevor der Warenausgang gebucht wird. Ein Transportbedarf entsteht auf diesem Weg nicht — der gehört zu den Bewegungen aus Beschaffung und Fertigung. Darunter liegt die Ordnung aus Lagernummer, Lagertyp, Lagerplatz und Quant. Im S/4HANA mit embedded EWM heißen die Belege Lageraufgabe und Lagerauftrag: die Lagerprozessart steuert, wie eine Bewegung abgewickelt wird, der Aktivitätsbereich bestimmt, zu welchem Arbeitspaket sie gebündelt wird.

Kommt embedded TM dazu, plant es vor dem Lager: aus der Lieferung entstehen die Frachtbelege — Frachteinheit und Frachtauftrag —, und aus dem Frachtauftrag wird der Frachtabrechnungsbeleg angefordert. Das Scharnier ist die Lieferung selbst: sie trägt den Steuerschlüssel für die Belegübertragung an TM und den Lagerausführungsstatus, der das Lager erst nach der TM-Planung freigibt. Ein Begriff ist dabei doppelt belegt: im klassischen Lager ist der Transportbedarf der Arbeitsvorrat für Bewegungen aus Beschaffung und Fertigung, im TM heißt so die Anfrage, aus der Frachteinheiten entstehen — und die muss dort nicht als eigener Beleg stehenbleiben. In einer Konzeptrunde kostet diese Doppelbelegung regelmäßig eine halbe Stunde.

Versand- und Transportkette mit EWM und TM Drei Spuren uebereinander. Oben die SD-Ebene mit Kundenauftrag, SD-Lieferung (LIKP) und Faktura sowie einem Feld-Panel zu den TM-Feldern der Lieferung. In der Mitte die EWM-Ebene mit Auslieferungsauftrag, Lageraufgabe, Lagerauftrag und quittierten Lageraufgaben. Unten die TM-Ebene mit Frachteinheit, Frachtauftrag und Frachtabrechnungsbeleg. Senkrechte Verbinder zeigen die Uebergabe der Lieferung an TM ueber TM_CTRL_KEY und die Freigabe des Lagers durch TM ueber TM_WHSE_EXEC. Versand- und Transportkette mit EWM und TM SD-Lieferung, embedded TM und embedded EWM — gemessen im S/4HANA-Mandanten 100, EWM-Lagernummer 1710 SD Vertriebsbelege EWM Lagerausführung TM Frachtbelege Kundenauftrag SD-Verkaufsbeleg SD-Lieferung LIKP Faktura Scharnier: die SD-Lieferung (LIKP) trägt die TM-Felder TM_CTRL_KEY — Steuerschlüssel für Belegübertragung an TM TM_WHSE_EXEC — Lagerausführungsstatus: 1 ‚für Lagerausführung gesperrt‘ · 2 ‚freigegeben‘ 3 ‚in Lagerabwicklung‘ · 4 ‚bereit für Versand‘ TM_ADV_SHIP_RECV — Relevanz des erweiterten Warenannahme- und Versandprozesses LIKP-TM_CTRL_KEY Auslieferungs- auftrag /SCDL/DB_PROCH_O Belegart OUTB Lageraufgabe /SCWM/ORDIM_O Lagerprozessart /SCWM/T333 Lagerauftrag /SCWM/WHO Aktivitätsbereich Feld AREAWHO Lageraufgaben quittiert /SCWM/ORDIM_C EWM-Lieferbeleg = Folgebeleg des ERP-Belegs (/SCDL/DB_REFDOC). Packspezifikation /SCWM/PACKSPEC: beschreibt, wie ein Produkt zu packen ist (ERP: Packvorschrift). Mit der Quittierung erreicht LIKP-TM_WHSE_EXEC den Wert 4 ‚bereit für Versand‘. TM gibt das Lager frei — LIKP-TM_WHSE_EXEC wechselt von 1 ‚Lieferung ist für Lagerausführung gesperrt‘ auf 2 ‚freigegeben‘ Frachteinheit /SCMTMS/D_TORROT TOR_CAT ‚FU‘ Frachtauftrag /SCMTMS/D_TORROT TOR_CAT ‚TO‘ Frachtabrechnungs- beleg /SCMTMS/D_SF_ROT Aktionsprofil /SCMTMS/TOR_INV_PREP Ob die Frachteinheit vor dem Frachtauftrag entsteht, ist aus den Daten nicht belegbar — daher ohne Pfeilrichtung. Erweiterter Warenannahme- und Versandprozess (ASR): gemeinsamer Lade-/Entladeschritt von TM und EWM — Transaktion /SCMTMS/ASR ‚Frachtaufträge laden oder entladen‘. Gemessen am 01.08.2026 im S/4HANA-Mandanten 100 (embedded EWM + embedded TM), ausschließlich lesend über das Data Dictionary: EWM-Lagernummer 1710 mit 27 Lagerprozessarten, 1.216 Lageraufträgen und 4.508 quittierten Lageraufgaben; TM mit 74 Frachtbelegen und 20 Frachtabrechnungsbelegen. Ein eigener Beleg „Transportbedarf“ ist nicht dargestellt — die TM-Tabelle /SCMTMS/D_TRQROT ist im gemessenen Mandanten leer. Kundenauftrag und Faktura sind nur als Rahmen gestrichelt gezeigt; gemessen wurde die Kette ab der Lieferung.
Versand- und Transportkette mit embedded EWM und embedded TM — die Lieferung ist das Scharnier

Am Ende der Kette: Abrechnung und elektronische Rechnung

Die Rechnung verlässt den Zulieferer als Ausgangsnachricht aus der SD-Faktura; im Gutschriftsverfahren entfällt sie, weil der Abnehmer selbst abrechnet und seine Gutschrift als Eingangsnachricht schickt. Das Zahlungsavis kommt ebenfalls im Eingang an. Daneben steht die elektronische Rechnung als eigene Strecke des SAP-Standards: vom Rechnungsbeleg über die Anlage des elektronischen Dokuments, die Schnittstellenfindung, die Erzeugung der Datei und die Statusfortschreibung bis zur Übergabe an die letzte Meile. Die letzte Meile ist die Zustellung über die zugelassene Plattform; dort endet mein Anteil bewusst, weil dieser Schritt zulassungsgebunden ist.

Die Schaltstellen dieser Kette sind in meinem eigenen S/4HANA-System nachvollzogen: Aktivierung je Buchungskreis, Typfindung, Anlage des eDocuments, Schnittstellenfindung und Statusfortschreibung tragen dort jeweils eine Tabelle und ein Feld, das sich zeigen lässt. Einen Durchstich bis zur zugelassenen Plattform behaupte ich damit nicht — der Außenweg ist zulassungsgebunden und im eigenen System bewusst nicht eingerichtet.

E-Invoicing in SAP — vom Beleg zur Freigabe Prozessgrafik in zwei Bahnen. Die obere Bahn läuft von links nach rechts über fünf Stationen: Quellbeleg im SAP, also die Rechnung, mit der Quellenart aus EDOSRCTYPE (zum Beispiel FI_INVOICE oder SD_INVOICE); Aktivierungsprüfung und Typfindung über EDOCOMPANYACTIV je Buchungskreis und Quellenart sowie die eDocument-Art aus EDOTYPE; eDocument anlegen über den Prozessschritt CREATE, der einen Satz in der Tabelle EDOCUMENT mit dem Status Angelegt erzeugt; Schnittstellenfindung und XML-Erzeugung über EDOPROCSPINTDET, den Prozessschritt SENDEDOC und der Datei in EDOCUMENTFILE; Übertragung nach außen über Sender-Access-Point und Empfänger-Access-Point, die im SAP selbst kein eigenes Objekt sind. Am rechten Rand steht der Empfänger. Von dort läuft die untere Bahn in Gegenrichtung von rechts nach links zurück: Statusrückmeldung, gelb markiert, auf zwei Ebenen — Meldungsebene über den Prozessschritt PROC_MLR und Geschäftsebene über PROC_BLR, mit Statuswerten wie ACCEPTED, REJECTED oder BLR_PAID; danach Statusfortschreibung und Nachweis, wo jede Änderung in EDOCUMENTHISTORY geschrieben wird, die Ampel der METASTATUS ist und die Sicht die Transaktion EDOC_COCKPIT. Der gelb markierte Hinweis unten hält fest: ein erfolgreicher Versand ist noch keine Zustellung, erst die Antwort des Empfänger-Access-Points setzt PROC_STATUS und METASTATUS und damit den Nachweis. E-Invoicing in SAP — vom Beleg zur Freigabe Die Belegkette und der Weg des Status zurück Quellbeleg im SAP — die Rechnung Quellenart EDOSRCTYPE FI_INVOICE, SD_INVOICE 27 Quellenarten möglich Aktivierungsprüfung und Typfindung EDOCOMPANYACTIV je Buchungskreis + Art eDocument-Art EDOTYPE eDocument anlegen Prozessschritt CREATE Satz in EDOCUMENT Status „Angelegt“ Schnittstellenfindung und XML-Erzeugung EDOPROCSPINTDET Schritt SENDEDOC Datei in EDOCUMENTFILE Übertragung nach außen Sender-Access-Point Empf.-Access-Point kein eigenes SAP-Objekt Empfänger Rückfluss in Gegenrichtung Der Status läuft vom Empfänger zurück in das eDocument. Zwei Ebenen: erst die Meldungsebene, dann die Geschäftsebene. Jede Änderung wird als eigener Satz fortgeschrieben. Statusfortschreibung und Nachweis EDOCUMENTHISTORY je Änderung Ampel: METASTATUS Sicht: EDOC_COCKPIT Statusrückmeldung Meldungsebene PROC_MLR Geschäftsebene PROC_BLR ACCEPTED · REJECTED · BLR_PAID Die kritische Stelle: die Statusrückmeldung Ein erfolgreicher Versand ist noch keine Zustellung. Erst die Antwort setzt PROC_STATUS und METASTATUS — und damit den Nachweis. Prozessrichtung kritische Stelle EDOCUMENT = SAP-Objekt, Prozessschritt oder Statuswert
Elektronische Rechnung im SAP-Standard: die Belegkette und der Weg des Status zurück

Was für ECC gilt, was für S/4HANA, was für beides

Viele Zulieferer betreiben beide Releases nebeneinander, weil der Umstieg werksweise läuft. Die linke Spalte nennt, was ich im ECC 6.0 nachgesehen habe; die rechte, was sich im S/4HANA daran ändert.

StationECC 6.0 — nachgesehenS/4HANAAnmerkung
Lieferabruf und FeinabrufEin Eingang für beide: Vorgangscode DELI auf den Basistypen DELFOR01/02, Eingangsbaustein IDOC_INPUT_DELINS_STARTgleicher Standard, kein Unterschied belegtDie Abrufart steht je Position im Segment E1EDP10, Feld SCREL
LieferplanfindungIndex VLPKM über den View M_VLPMA, Vorstufe T661W, Sonderregeln T663Agleicher Standard, kein Unterschied belegtVerkaufsbereich filtert nicht, er wird erst danach verprobt
EinteilungenLieferrelevanz (LFREL) und Bedarfsübergabe (BEDSD) als zwei getrennte Schalter in TVEPgleicher Standard, kein Unterschied belegtZwei Schalter, zwei Fehlerbilder: Lieferfälligkeit gegen Disposition
JIT und JISEigener Strang: SEQJIT und PAB_ORDERS auf SEQJIT01 bis SEQJIT03, Eingangsbaustein IDOC_INPUT_SEQJITDieselben Nachrichtenarten und dasselbe Aktionsnetz — so steht es in der SAP-Dokumentation zu S/4HANA 2023Belegt sind Struktur und Begriffe des Standards, keine laufende Strecke
FortschrittszahlenVier Reset-Verfahren; eigene Logik nur über den Customer-Exit V45L0001Dieselben vier Verfahren, zusätzlich ein BAdI (SD_SLS_RESET_CUMLTV_QTY_SA); den gibt es im ECC nichtDer BAdI nimmt nur zwei der vier Verfahren an, der Exit läuft danach
Kommissionieren, Verpacken, NVENVE-Basisnummer kaskadierend aus T313Y/T313Z, Packvorschrift PIKP/PIPOIm embedded EWM heißt dasselbe Objekt Packspezifikation; den Begriff kennt das ECC-Dictionary gar nichtEin Objekt, zwei Namen — die Packvorschrift wird über das Integrationsmodell ins EWM verteilt
LieferavisDESADV auf der DELVRY-Reihe, Packstückkopf E1EDL37gleicher Standard, kein Unterschied belegtE1EDL38 führt Bezeichnungstexte zum Packmittel, keine Merkmale
Etiketten und Papiereim SAP nicht als eigenes Objekt abgebildetDie GTL-Nummer ist im embedded EWM ein eigenes Objekt mit eigener Nummernvergabe — eine Alternative zur NVENormfrage: Quelle ist die VDA-Empfehlungsliste, nicht das System
AbrechnungDrei Eingangsvarianten mit drei Bausteinen, Monitor VSB1N, Steuertabelle T665AUnverändert Standard: VSB1N, Customizing ab T665B, Basistyp GSVERF03 — in beiden Releases nachgesehenHier ändert der Umstieg nichts
VDA-FormatumstellungSAP mappt über Nachrichtenart und Basistyp, nicht über VDA-Nummerngleicher Standard, kein Unterschied belegtDer Formatwechsel ist zuerst eine Frage des Mappings, dann der Feldbelegung

„Gleicher Standard, kein Unterschied belegt“ heißt: Die Objekte der linken Spalte sind im ECC 6.0 nachgesehen, und an dieser Station ist mir ein Releaseunterschied weder im System noch in der SAP-Dokumentation begegnet. Wo einer belegt ist, steht er in der Zeile — erfunden ist keiner.

Unterschiede, die sich belegen lassen

  • Fortschrittszahlen-Reset — im S/4HANA steht neben dem klassischen Customer-Exit ein BAdI zur Verfügung; im ECC gibt es ihn nicht. Er nimmt nur zwei der vier Verfahren an, und der Exit läuft danach — wer beides implementiert, überschreibt sein eigenes Ergebnis.
  • Gutschriftsverfahren — bleibt im S/4HANA technisch unverändert Standard, mit Eingangsmonitor VSB1N, eigenem Customizing ab T665B und Basistyp GSVERF03. Es fällt beim Umstieg nicht weg.
  • Logistik-Informationssystem — läuft in beiden Releases gleichermaßen, Standardanalysen und statistischer Neuaufbau eingeschlossen. Das ist mehr als eine Reportingfrage: die Lieferfortschrittszahl liegt auf der Infostruktur S073, ein Neuaufbau greift damit in die Abrufabwicklung ein.
  • Präferenz und Außenhandel — im S/4HANA ist Präferenz kein SD-Thema mehr, SAP verweist auf GTS; Intrastat, Legal Control und Warentarifnummern bleiben im Kern. Die klassischen Außenhandelsobjekte liegen technisch weiter im Repository und sind nicht gesperrt — Zielarchitektur sind sie trotzdem nicht.
  • Erweitertes Available-to-Promise — unter diesem Dachbegriff liefert S/4HANA mehrere eigenständige Bausteine aus: Kontingentierung, Verfügbarkeitsschutz, Rückstandsbearbeitung, Freigabe zur Lieferung und alternativenbasierte Bestätigung. Jeder bringt eigene Konfigurationsobjekte mit.
  • Lager und Fracht — embedded EWM und embedded TM sind S/4HANA-Themen; embedded TM existiert im ECC nicht. Bei den Frachtkosten stehen mehrere Wege nebeneinander, und welcher passt, entscheidet sich an Kalkulationstiefe, Richtung der Fracht und Lizenz.

Die Stationen der Kette

  • Lieferabruf und Feinabruf im Eingang — ein gemeinsamer Eingang über den Vorgangscode DELI; das Feld SCREL im Positionssegment entscheidet, ob ein Lieferabruf oder ein Feinabruf entsteht.
  • Die Lieferplanfindung — Auftraggeber-Ermittlung, Index VLPKM und Verprobung des Verkaufsbereichs, Schritt für Schritt mit den zugehörigen Meldungsnummern.
  • Einteilungen: lieferrelevant und bedarfswirksam — zwei getrennte Schalter im Einteilungstyp; ein sauber verbuchter Abruf erzeugt weder automatisch eine Lieferung noch automatisch einen Bedarf.
  • JIT und JIS — der JIT-Abruf als eigener Beleg, mit Abrufsteuerung, Aktionsnetz und Teilegruppenfindung; darunter die drei Abruftypen produktionssynchron, Menge und intern.
  • Fortschrittszahlen und Geschäftsjahreswechsel — kumulierte Mengen, Nullstellungsdatum, Geschäftsjahresvariante am Warenempfänger und die vier Verfahren zum Jahreswechsel.
  • Kommissionieren, Verpacken, NVE — Handling Units und Packvorschrift, und die Frage, ob ein Packstück überhaupt eine NVE bekommt und woher die Basisnummer stammt.
  • Lieferavis im Ausgang — DESADV auf der DELVRY-Reihe: welche Packstückdaten mitgehen und warum Etikett und Avis aus derselben Quelle kommen müssen.
  • Etiketten und Papiere — das Global Transport Label nach VDA 4994, die GTL-Nummer neben der NVE und der Warenanhänger VDA 4902.
  • Abrechnung: Rechnung, Gutschrift, Zahlungsavis — INVOIC aus der SD-Faktura, das Gutschriftsverfahren mit seinen drei Eingangswegen und das Zahlungsavis REMADV.
  • VDA-Formatumstellung auf die Global-Serie — welche alte Satzart auf welche Nachricht der Global-Serie führt und warum das zuerst eine Frage des Mappings ist.

Vertiefungen

Sechs Punkte länger ausgeführt — jeweils dort, wo der Sprachgebrauch etwas zusammenzieht, was im System getrennt ist.

Kurzer Weg zur Antwort

Diese Rubrik erklärt den Standard: wie eine Funktion gebaut ist und woher sie ihre Werte nimmt. Wie sich derselbe Standard im Fehlerfall zeigt, steht unter Fehlerbilder — Symptom, Ursache, Vorgehen, Ergebnis.

Wenn Sie an einer Stelle dieser Kette nicht weiterkommen: Nennen Sie mir Nachrichtenart, IDoc-Status und Meldungsnummer sowie die Belegart. Damit lässt sich im Telefonat einordnen, wo es hängt und was zu prüfen ist. Erreichbar per Telefon, per E-Mail oder über das Kontaktformular.