Advanced Shipping and Receiving

Advanced Shipping and Receiving verklammert Transportmanagement und Lagerverwaltung zu einem gemeinsamen Lade- und Entladeschritt. Im Deutschen heisst der Prozess „erweiterter Warenannahme- und Versandprozess“, in SAP-eigenen Feldtexten mit EWV abgekürzt. Diese Seite beschreibt, was bei einer Einführung zu klären ist: an welchen Belegen die Kette hängt, wo die Relevanz gesetzt wird und welche Verwechslungen in der Fehlersuche Zeit kosten.

Was der Prozess zusammenfasst

Ohne diesen Prozess laufen zwei Versandwelten nebeneinander: Das Lager kommissioniert, packt und bucht den Warenausgang, das Transportmanagement plant Frachteinheiten und Frachtaufträge und dokumentiert die Verladung für sich. Advanced Shipping and Receiving ersetzt das durch einen Schritt, den beide Seiten teilen. Die Transaktion heisst im System schlicht „Frachtaufträge laden oder entladen“ (/SCMTMS/ASR) und deckt damit Versand und Warenannahme in derselben Logik ab.

Die Belegkette, in die sich der Schritt einfügt

Bevor über die Verladung gesprochen wird, muss die Belegkette stehen. Sie beginnt im Vertriebs- oder Beschaffungsbeleg und endet in der Frachtabrechnung; dazwischen liegen zwei getrennte Belegwelten mit eigenen Nummern und eigenen Tabellen.

SD-Lieferung (LIKP)trägt den Steuerschlüssel für die Belegübertragung an das Transportmanagement
TM-PlanungFrachteinheit und Frachtauftrag, beide in /SCMTMS/D_TORROT, unterschieden über die Belegkategorie (FU beziehungsweise TO)
EWM-LieferbelegAnlieferung (/SCDL/DB_PROCH_I) beziehungsweise Auslieferungsauftrag (/SCDL/DB_PROCH_O)
Lageraufgabeje Bewegung, gesteuert über die Lagerprozessart (/SCWM/T333); offen in /SCWM/ORDIM_O, quittiert in /SCWM/ORDIM_C
LagerauftragBündelung der Lageraufgaben je Aktivitätsbereich (/SCWM/WHO, Feld AREAWHO)
Lade- und Entladeschrittgemeinsamer Schritt von Transportmanagement und Lager (/SCMTMS/ASR)
Frachtabrechnungsbelegentsteht aus dem Frachtauftrag heraus (/SCMTMS/D_SF_ROT)

Das Scharnier ist die Lieferung

Wer wissen will, ob Transportmanagement und Lager sauber verzahnt sind, schaut in den Lieferkopf. LIKP trägt genau vier Felder mit dem Präfix TM_: den Steuerschlüssel für die Belegübertragung (TM_CTRL_KEY), die Relevanz für den erweiterten Warenannahme- und Versandprozess (TM_ADV_SHIP_RECV), den Lagerausführungsstatus (TM_WHSE_EXEC) und die Lagerausführungssperre (TM_WHSE_BLOCK).

Der Lagerausführungsstatus macht die Reihenfolge unmissverständlich: erst die Transportplanung, dann die Lagerausführung. Seine Domäne kennt fünf Werte.

leernicht relevant
1Lieferung ist für die Lagerausführung gesperrt
2Lieferung ist für die Lagerausführung freigegeben
3Lieferung ist in Lagerabwicklung
4Lieferung ist bereit für den Versand

Eine Lieferung, die im Lager nicht auftaucht, ist deshalb häufig kein Lagerproblem: Sie steht auf Status 1 und wartet auf die Freigabe aus der Transportplanung.

Wo die Relevanz gesetzt wird

Der Prozess wird nicht mit einem Schalter eingeschaltet. Die Relevanz kann an mehreren Stellen hängen, und genau diese Stellen sind vor dem ersten Test abzugleichen.

  • Lokation — Feld ADV_SHP_RECV_RLV im Lokationsstamm
  • Frachtauftragsart — Feld ASR_SETTING im Belegarten-Customizing /SCMTMS/C_TORTY; die Domäne kennt nur zwei Ausprägungen, deaktivieren und aktivieren
  • einzelner Frachtbeleg — Feld ASR_SETTING in /SCMTMS/D_TORROT
  • Lieferung — LIKP-TM_ADV_SHIP_RECV
  • Stopp im Frachtauftrag — eigenes Kennzeichen für die Stopprelevanz
  • sofortiges Laden im Prozess — eigenes Kennzeichen auf dem Lieferbeleg

In der Praxis reicht es deshalb nicht, die Frachtauftragsart zu prüfen. Ist dort nichts hinterlegt, kann die Relevanz allein über die Lokation kommen — der Prozess ist dann aktiv, obwohl das Belegarten-Customizing leer aussieht. Wer diese beiden Ebenen nicht auseinanderhält, diskutiert stundenlang über ein vermeintlich fehlendes Customizing.


Verwechslungen, die in der Einführung Zeit kosten

  • Der Auslieferungsauftrag im Lager ist nicht die Auslieferung aus dem Vertrieb. Es sind zwei Belege in zwei Welten, mit eigenen Nummern und eigenen Tabellen; der Lagerbeleg ist Folgebeleg, nicht Kopie.
  • Der Begriff Transportbedarf ist doppelt belegt. Im klassischen Lagerverwaltungsumfeld ist er die Vorstufe des Transportauftrags (LTBK, LTBP), im Transportmanagement die Vorstufe der Frachteinheit — und dort kann er transient sein. Die Kategorienliste führt eigene Werte für „transient“; dann existiert schlicht kein persistenter Beleg, den man aufrufen könnte.
  • „Lagerprozess“ gibt es als Objekt nicht. Lagerprozessart und Lagerprozesstyp sind zwei verschiedene Felder mit zwei verschiedenen Aufgaben; die Art steuert, wie eine Lageraufgabe abgewickelt wird.
  • Die Packstruktur heisst je nach Welt anders: im ERP Packvorschrift, im Lager Packspezifikation. Wer beide gleichsetzt, plant die Verteilung falsch.

Was ich bei einer Einführung übernehme

  • Aufnahme der bestehenden Versandabwicklung und Abgrenzung, welcher Teil künftig gemeinsam laufen soll
  • Festlegung der Relevanz über Lokation, Belegart und Lieferung, einschliesslich der Frage, was bewusst ausserhalb bleibt
  • Durchstich der Kette von der Lieferung über die Transportplanung und die Lagerausführung bis zum Lade- und Entladeschritt
  • Abstimmung der Schnittstellen an den Rändern: Avis und Kennzeichnung zum Kunden, Frachtabrechnung Richtung Beschaffung und Rechnungswesen
  • Eingrenzung eines Fehlerbildes im laufenden Betrieb, mit Befund und Korrekturvorschlag
  • dokumentierte Übergabe an das Inhouse-Team

Jede transportfähige Änderung geht in einen Transport, auch die kleine. Gibt es einen dokumentierten Standardweg, nehme ich ihn statt einer Eigenentwicklung.


Wenn eine Lieferung nicht im Lager ankommt oder die Verladung nicht zur Frachtabrechnung passt: Nennen Sie mir den Belegtyp, den Lagerausführungsstatus und den betroffenen Beleg. Damit lässt sich im Telefonat einordnen, an welcher der beiden Welten es hängt. Den Umfang klären wir im ersten Gespräch.