Fortschrittszahlen und Geschäftsjahreswechsel

Die Fortschrittszahl ist die kumulierte Menge seit der letzten Nullstellung. Sie ist der gemeinsame Zähler zwischen Kunde und Zulieferer: Der Kunde meldet im Abruf seine Eingangsfortschrittszahl, dazu die Sollfortschrittszahl und die Differenz. Alles, was diese Zählung verschiebt — ein Jahreswechsel, eine Nullstellung, ein statistischer Neuaufbau —, fällt später als Mengenabweichung auf, meist erst beim Kunden.

Wo die Zahlen im Abruf stehen

Kopf und Position tragen Verschiedenes. Die operativen Fortschrittszahlen liegen alle im Positionssegment E1EDP10. Das Kopfsegment E1EDK09 führt genau ein Fortschrittszahlfeld, nämlich die zum Nullstellungsdatum erreichte Menge.

FeldEbeneBedeutung
AKUEME1EDP10Eingangsfortschrittszahl (aktuelle kumulierte erhaltene Menge)
SOLLFZE1EDP10Sollfortschrittszahl
FZDIFE1EDP10Fortschrittszahlendifferenz
NULDTE1EDP10positionsbezogenes Nullstellungsdatum
CYDATE1EDK09Datum der Nullstellung der Eingangsfortschrittszahl
CYEFZE1EDK09zum Nullstellungsdatum erreichte Fortschrittszahl
BSTDKE1EDK09Abrufdatum, mit dem der Inbound rechnet

Wer nur vom „Nullstellungsdatum“ spricht, verwechselt leicht CYDAT im Kopf mit NULDT in der Position. Im Beleg landen Datum und erreichte Menge in VBLB-CYDAT und VBLB-CYEFZ.

Das Nullstellungsdatum des Kunden ist ein zweiter Mechanismus

Neben der Geschäftsjahresvariante überträgt der Kunde ein eigenes Nullstellungsdatum samt der dazu erreichten Fortschrittszahl. Das ist ein zweiter Mechanismus, kein Ersatz: Beide können nebeneinander wirken, und wer nur einen von beiden prüft, findet die Verschiebung nicht.

Die Geschäftsjahresvariante hängt am Warenempfänger

Maßgeblich ist die Geschäftsjahresvariante des Warenempfängers, Partnerrolle WE — nicht die des Auftraggebers. Gepflegt wird sie in den allgemeinen Stammdaten des Kunden, Feld KNA1-PERIV, gesteuert über die Feldauswahl der Kontengruppe. In den Verkaufsbereichsdaten gibt es dieses Feld nicht; wer es dort sucht, sucht vergeblich.

Fehlt die Variante ganz, findet der Jahreswechsel trotzdem statt: SAP nimmt dann das Kalenderjahr aus dem Abrufdatum, der Wechsel liegt also auf dem 31.12.

Abschalten lässt sich der Jahreswechsel nur über das Reset-Verfahren, nicht durch Weglassen der Geschäftsjahresvariante.

Vier Verfahren, und nur eines gilt ohne Erweiterung

VerfahrenWirkungZulässig für
Aautomatisches Rücksetzen zum JahreswechselStandard, gilt ohne Erweiterung immer
Bkein Rücksetzendurchlaufende Zählung
Cüber Korrekturlieferungennur im ERP geplante Lieferpläne
Düber Korrektur-Fortschrittszahlen aus VBKFZnur über CIF an APO angebundene

Das Verfahren ist nicht customizingfähig. Es gibt dafür weder eine Tabelle noch eine IMG-Aktivität; ohne Erweiterung gilt hart A. C und D schließen sich gegenseitig aus. Wird das falsche Verfahren geliefert, bricht die Abrufbearbeitung mit V4 335 ab — „Lieferplanposition: Ungültiger Typ für Geschäftsjahreswechsel“. Bei Verfahren D zieht der Standard die Korrektur-Fortschrittszahlen aus der Tabelle VBKFZ.

Wohin eigene Logik gehört

Der klassische Weg ist die SAP-Erweiterung V45L0001, Komponente EXIT_SAPLV45L_004 („Rücksetzen der Lieferfortschrittszahl zum Geschäftsjahresende“), dazu EXIT_SAPLV45L_005 zum Stoppen des Jahreswechsels. In S/4HANA steht daneben der BAdI SD_SLS_RESET_CUMLTV_QTY_SA mit der Methode RESET_CUMLTV_QTY; im klassischen ECC gibt es diesen BAdI nicht. Er akzeptiert nur A und B.

Die Reihenfolge ist fest: Der BAdI liefert einen Vorschlag, die Erweiterung V45L0001 läuft danach und überschreibt ihn. Beides gleichzeitig zu implementieren führt zu Verhalten, das später niemand mehr nachvollzieht.

Nicht zu verwechseln mit ME_ME88_CQ_RESET. Dieser BAdI existiert in ECC und in S/4HANA, gehört aber zur MM-Seite — Transaktion ME88, Fortschrittszahlen im Einkaufs-Lieferplan — und hat mit den vier SD-Verfahren nichts zu tun.


Der stille Nebeneffekt: die LIS-Struktur S073

Basis der Fortschrittszahlen ist die LIS-Struktur S073 mit den Feldern LIEFFZ, ENTNFZ und WAGFZ. Ein statistischer Neuaufbau des LIS trifft damit auch die Fortschrittszahlen — ohne dass jemand einen Beleg gebucht hätte. Wenn sich Mengen ohne erkennbare Ursache verschoben haben, ist das die erste Stelle, an der ich nachsehe.

Symptom und erste Prüfstelle

  • „Nach dem Geschäftsjahreswechsel stimmen die Mengen nicht.“ — KNA1-PERIV am Warenempfänger; bei V4 335 das gelieferte Verfahren.
  • „Die Fortschrittszahlen haben sich verschoben, ohne dass jemand gebucht hat.“ — LIS-Struktur S073.
  • „Der Kunde zählt anders als wir.“ — E1EDP10-AKUEM gegen die eigene Lieferfortschrittszahl, dazu das mitgelieferte Nullstellungsdatum CYDAT und CYEFZ im Kopf.

Wenn es an dieser Stelle klemmt: Nennen Sie mir Nachrichtenart, IDoc-Status und Meldungsnummer sowie den betroffenen Beleg. Damit lässt sich im Telefonat einordnen, wo die Zählung auseinanderläuft und was zu prüfen ist.