EWM-Rollout im Outbound

Wenn ein Lager auf EWM umgestellt wird, arbeite ich an der Ausgangsseite. Dort geht die Automotive-Kette weiter: Auslieferung, Kommissionierung, Packen in Handling Units, Vergabe der NVE, Warenausgang und die Rückmeldung in Lieferschein und Avis. Diese Seite beschreibt, was bei einer solchen Einführung zu klären ist — und wo sie erfahrungsgemäß klemmt.

Wo die Grenze zwischen ERP und Lager liegt

Die erste Frage ist keine technische, sondern eine der Zuständigkeit: Welcher Schritt bleibt im ERP, welcher wandert ins Lager. Sobald ein Lagerort EWM-verwaltet ist und die Lieferung gepackt wurde, läuft die Warenausgangsbuchung über die Lagerlogik. Der Beleg ändert sich dadurch nicht, wohl aber der Ort der Entscheidung — und damit, wer eine Störung auflöst.

Davor steht die Frage, was überhaupt in die Lieferung läuft. Das entscheidet die Einteilungstyp-Steuerung (Tabelle TVEP) mit zwei getrennten Kennzeichen: LFREL für die Lieferrelevanz, BEDSD für die Bedarfsübergabe. Eine Einteilung kann ohne Bedarfsübergabe sehr wohl lieferrelevant sein.

Packvorschrift und Packspezifikation sind dasselbe Objekt mit zwei Namen

Begriffsarbeit lohnt sich hier. Im ERP heißt das Regelwerk Packvorschrift — Stammdaten in PIKP und PIPO, angelegt über POP1 bis POP3, Findung über POF1 bis POF3. Im EWM heißt dasselbe Objekt Packspezifikation; über CIF lässt sich die ERP-Packvorschrift dorthin verteilen. Nicht zu verwechseln sind PACKKP und PACKPO: die klingen ähnlich, sind aber das Packobjekt und nicht die Vorschrift.

Zu entscheiden ist, wo die Packstruktur künftig gepflegt wird: im ERP mit Verteilung oder eigenständig im Lager. Beides trägt. Nicht trägt die stillschweigende Mischform, bei der beide Seiten pflegen und niemand sagen kann, welche Struktur im Avis landet.

Die NVE hängt an vier Einstellungen

  • Packmittelart. Ob eine Handling Unit überhaupt eine NVE bekommt, entscheidet nicht das Verpackungsmaterial selbst, sondern seine Packmittelart (MARA-VHART) und deren Customizing in TVTY. Dort steuert NRVERG die Nummernvergabe: A erzeugt beim Anlegen der Handling Unit eine SSCC18, B zieht nur eine Nummer aus dem Nummernkreisobjekt HU_VEKP und damit gar keine NVE, leer bedeutet keine HU-Funktionalität.
  • Nicht die Materialgruppe Packmittel. MARA-MAGRV und die Tabelle TVEGR steuern erlaubte Packmittel und die Packvorschriftsfindung — nicht die NVE. Die beiden Felder werden regelmäßig vermischt.
  • Basisnummer. Die ILN-Basisnummer wird kaskadierend gesucht: erst Werk plus Lagerort (T313Y), dann die Lagernummer (T313Z), dann das Werk allein, zuletzt die Mandantenebene. Ein Eintrag auf einer höheren Stufe genügt. Sätze mit aufgebrauchtem Nummernkreisintervall tragen das Kennzeichen DONT_USE und werden übersprungen.
  • Aufbau und Nachweis. Die 18-stellige NVE besteht aus der HU-Art als erster Stelle, der ILN-Basisnummer, der laufenden Nummer aus dem Nummernkreis und einer Modulo-10-Prüfziffer. Am echten Beleg prüfbar über VEKP: EXIDV trägt das Ergebnis, EXIDA die Herkunft — C für eine generierte SSCC18, E für einen externen Nummernkreis, A für eine interne Nummer.

Genau die Objekte, aus denen die NVE entsteht, entstehen bei einer Einführung erst: Lagernummer, Packmittelart, Nummernkreisintervall. Deshalb gehört die Nummernvergabe in die Testfälle und nicht in die Nacharbeit nach dem Go-Live.

Das Avis trägt die Struktur, nicht nur die Menge

Ein Warenausgang, der im eigenen System grün ist, sagt noch nicht, dass der Empfänger gegen die Packstücke vereinnahmen kann. Das Avis überträgt die Verpackungsstruktur. Im Basistyp DELVRY03 steht der Packstückkopf im Segment E1EDL37, darunter hängt genau ein Segment E1EDL38 mit den Bezeichnungstexten zum Packmittel. Die Packstückpositionen führt E1EDL44 mit der externen Handling-Unit-Nummer EXIDV und der Charge. Mehrstufiges Packen ist im Standard abgebildet — eine formal gültige, aber einstufige Struktur kann beim Empfänger trotzdem scheitern, wenn dort zwei Stufen erwartet werden. Die Stufigkeit gehört deshalb vor den Rollout.

Etikett und Nachricht sind sauber zu trennen. Das Global Transport Label nach VDA 4994 ist ein Kennzeichnungsstandard, keine EDI-Nachricht; die Daten wandern per Lieferavis nach VDA 4987 (Global DESADV), das die ältere Empfehlung 4913 ablöst. Auch die Nummer ist eine andere: Die GTL-Nummer ist eine Alternative zur NVE, bis zu 22 Stellen aus Issuing Agency Code, Company ID, Seriennummer und Data Identifier, mit eigenem Nummernkreisobjekt HU_GTL und eigenem Customizing im EWM.

Die Entscheidungen im Überblick

Zu entscheidenWoran es hängt
Pflegeort der PackstrukturERP-Packvorschrift mit CIF-Verteilung oder Packspezifikation im Lager — eine Quelle, nicht zwei
Nummernvergabe je PackmittelPackmittelart in TVTY (NRVERG, SSCC18), nicht die Materialgruppe Packmittel
Basisnummern je Werk und LagernummerKaskade T313Y und T313Z, Nummernkreisintervalle, Kennzeichen DONT_USE
Stufigkeit der PackhierarchiePackvorschrift und ihre Findung, abgeglichen mit dem Empfänger
Zeitpunkt der Avis-AusgabeVersandzeitpunkt und Anforderungsroutine — Verarbeitung erst nach dem Warenausgang
Retouren mit Lagerbeteiligungob die logistische Folgeaktion im ERP oder im Lager gepflegt wird

Mein Schnitt in einer solchen Einführung

Ich übernehme die Ausgangsseite: die Kette von der Auslieferung bis zum quittierten Avis, das Customizing und die Stammdaten, die daran hängen, die Testfälle entlang der Nachrichten und die Begleitung nach dem Go-Live. Abnahmepunkt ist nicht das Transportprotokoll, sondern der erste vom Empfänger vereinnahmte Lieferschein. Der Lagerkern selbst — Lagerstruktur, Lagerauftragssteuerung, Ressourcen und Endgeräte — gehört in andere Hände; das sage ich lieber vorher als im dritten Projektmonat.


Steht eine Umstellung auf der Ausgangsseite an, schreiben Sie mir, welches Werk, welche Empfänger und welche Nachrichten betroffen sind. Im ersten Gespräch sage ich, ob ich der Richtige bin.