EDI-Onboarding neuer Kunden und OEMs

Ein neuer Kunde oder ein neuer OEM in der Abrufstrecke ist ein abgegrenztes Paket mit festem Ziel. Ich lese die Guideline des Partners, uebersetze sie in SAP-Begriffe, lege Partnervereinbarung und Nachrichtensteuerung an, gebe die Feldbelegung fuer den Konverter vor und fahre den Testfahrplan mit dem Partner. Ende ist der erste produktive Abruf im Lieferplan und das erste vom Partner quittierte Avis.

Der Vorteil dabei: SAP-Customizing und EDI-Seite liegen in einer Hand. Partnervereinbarung, Vorgangscode, Nachrichtensteuerung und Mapping beurteile ich zusammen. Gerade beim Onboarding sitzen die meisten offenen Punkte genau auf dieser Grenze und wandern sonst zwischen zwei Zustaendigkeiten hin und her, bis jemand beide Seiten gleichzeitig aufmacht.


Von der Guideline zur Partnervereinbarung

Die Guideline eines OEM beschreibt Nachrichten, Segmente und Qualifier aus Sicht des Partners. In SAP wird daraus eine Partnervereinbarung in WE20 mit Nachrichtenart, Vorgangscode und Partnerrolle, dazu die Nachrichtensteuerung fuer die ausgehenden Belege. Der eingehende Lieferabruf laeuft unter der Nachrichtenart DELINS auf den Basistypen DELFOR01 und DELFOR02 ueber den Vorgangscode DELI; registriert ist dort der Startbaustein IDOC_INPUT_DELINS_START, der die eigentliche Verarbeitung an IDOC_INPUT_DELINS weiterreicht.

Fuer den Konverter gebe ich die Feldbelegung vor: welches EDIFACT- oder VDA-Segment auf welches IDoc-Segment geht und welche Qualifier der Partner tatsaechlich sendet – nicht nur, welche er laut Guideline senden duerfte. Diese Unterscheidung entscheidet spaeter darueber, ob ein Fehler im Mapping, in der Partnervereinbarung oder erst in der SAP-Verarbeitung entsteht. Wird sie erst im Betrieb zwischen zwei Haeusern per Ticket ausgehandelt, ist sie der groesste Zeitfresser der ganzen Strecke.

Welche Nachrichten dabei eingerichtet werden

Welche Nachrichten zum Paket gehoeren, haengt am Partner. Der uebliche Umfang einer Zulieferer-Strecke:

NachrichtRichtungTechnische Zuordnung
Lieferabruf und Feinabruf (DELINS)EingangBasistypen DELFOR01 und DELFOR02, Vorgangscode DELI
JIT-Abruf (SEQJIT, PAB_ORDERS)EingangBasistypen SEQJIT01 bis SEQJIT03, verarbeitet von IDOC_INPUT_SEQJIT
LieferavisAusgangHandling Units mit NVE aus der Auslieferung
Rechnung (INVOIC)Ausgangaus der SD-Faktura
Gutschriftsanzeige (GSVERF, SBWAP)EingangGSVE zum Abrechnungsbeleg, SBAP in den Eingangsmonitor VSB1N
Zahlungsavis (REMADV)Eingangkann den Zahlungseingang im FI ausgleichen

Was den Aufwand bestimmt

Der groesste einzelne Aufwandstreiber ist der Stand der Satzarten auf der Partnerseite: ob der Partner noch die alten VDA-Satzarten schickt oder bereits auf die Global-Serie umgestellt hat.

  • 4984 fuer den Lieferabruf
  • 4985 fuer den JIT-Abruf
  • 4987 fuer das Lieferavis
  • 4938 fuer Rechnung und Gutschriftsanzeige
  • 4988 fuer den Zahlungsavis

Dazu kommt der Zuschnitt der Abrufe selbst. Lieferabruf und Feinabruf teilen sich denselben Strang und werden ueber das Feld SCREL im Positionssegment E1EDP10 unterschieden – 02 erzeugt einen Feinabruf, 03 und 04 einen Lieferabruf. Der JIT-Abruf hat einen eigenen Strang mit eigener Steuerung ueber Abrufumfang, Teilegruppe und Abrufkomponenten; ein Partner mit sequenzierten Abrufen ist ein deutlich groesseres Paket als einer mit reinem Lieferabruf.

Stammdaten und Findung vor dem ersten Abruf

Ein Abruf findet seinen Lieferplan ueber den Index VLPKM, gelesen ueber den feldgleichen View M_VLPMA, mit Kundenmaterial, Auftraggeber, Kundenwerk, Abladestelle und Abrufverwendung. Ob Abladestelle und Bestellnummer dabei ueberhaupt als Kriterium wirken, steuert die Partnertabelle T663A. Diese Entscheidung faellt beim Onboarding und nicht spaeter: Sie bestimmt, wie eindeutig die Findung bei mehreren Lieferplaenen desselben Kunden ist.

Fuehrt der Partner Fortschrittszahlen, gehoert die Geschaeftsjahresvariante des Warenempfaengers in die Aufnahmeliste. Sie steht in den allgemeinen Kundenstammdaten (KNA1-PERIV); ist sie nicht gepflegt, rechnet SAP mit dem Kalenderjahr – und der erste Jahreswechsel faellt auf.

Soll das Avis Nummern der Versandeinheit tragen, entscheidet die Packmittelart des Verpackungsmaterials ueber die Nummernvergabe in der Tabelle TVTY, ob eine Handling Unit ueberhaupt eine NVE bekommt. Zieht sie ihre Nummer stattdessen aus dem HU-Nummernkreis, entsteht gar keine NVE — ein Unterschied, der spaetestens am Etikett und im Avis auffaellt, und damit im Test des Partners.

Testfahrplan und Abschluss

Getestet wird gegen den Partner, nicht gegen die Guideline. Die typischen Befunde der ersten Runde stehen in der Findung: V4 034 heisst kein Treffer im Index, V4 035 heisst mehrere Treffer und damit keine eindeutige Findung. Beide setzen denselben Fehlerstatus, die Korrekturen laufen in entgegengesetzte Richtungen. V4 032 und V4 033 zeigen fehlendes Customizing in T661W und T663A, V4 073 bis 075 protokollieren die Findungswerte, mit denen sich ein 035 aufloesen laesst. Wer diese Meldungen liest statt nur den IDoc-Status, ist mit dem Testzyklus deutlich schneller durch.

Abgeschlossen ist das Paket mit dem ersten produktiven Abruf im Lieferplan und dem ersten vom Partner quittierten Avis. Was danach an Regeln fuer das laufende Monitoring gebraucht wird, lege ich auf Wunsch gleich mit an – Nachrichtenart, Partner, Meldung und Schwellwert je Regel, mit eigener Empfaengerliste.


Naechster Schritt

Fuer eine belastbare Einschaetzung reicht mir wenig: welcher Kunde oder OEM, welche Nachrichten, welches Release – ECC 6.0 und S/4HANA arbeite ich beide – und ob die Satzarten noch VDA-klassisch oder bereits Global-Serie sind. Anfragen beantworte ich kurzfristig.