Der produktionssynchrone Abruf ist der Teil der Zulieferer-Strecke, der sich am wenigsten wie eine Lieferplanwelt anfühlt: eigener Beleg, eigene Tabellen, eigenes Customizing, eigenes Monitoring. Diese Seite nennt die Stellen, an denen ich nachsehe, wenn ein JIT- oder JIS-Abruf nicht so ankommt, wie der Kunde ihn gemeldet hat.
Ein eigener Beleg, keine Lieferplaneinteilung
Der produktionssynchrone Abruf ist ein eigener Beleg und keine Einteilung im Lieferplan. Er kommt auf den Basistypen SEQJIT01 bis SEQJIT03 herein und wird von IDOC_INPUT_SEQJIT verarbeitet, Anwendungsobjekt BUS2150. Zwei Nachrichtenarten teilen sich diese Basistypen: SEQJIT für den produktionssynchronen Abruf und PAB_ORDERS für den Mengenabruf. Die SAP-Dokumentation nennt dazu den Eingangs-Vorgangscode SJCL.
Das ist der Unterschied, der in der Fehlersuche zählt: Wer einen JIT-Abruf im Lieferplan sucht, sucht an der falschen Stelle. Der Lieferabruf und der Feinabruf laufen über einen anderen Eingangsstrang, mit eigener Findung und eigenen Meldungsnummern.
Der Abruftyp steht im IDoc, nicht im Stammsatz
Welcher Abruftyp vorliegt, sagt das IDoc selbst: Feld ABTYP im Kopfsegment E1KSJCL. Die Domäne kennt drei gleichrangige Werte.
- S — produktionssynchroner Abruf
- D — Mengenabruf
- I — interner Abruf aus dem Pufferlager
Der Wert landet in JITHD-ABTYP. Im JIT-Kundenstamm JITCU steht dazu nur ein Vorschlagswert im Feld VATYP.
Ein gepflegter Vorschlagswert im JIT-Kundenstamm beweist nicht, welcher Abruftyp verbucht wurde. Entscheidend ist E1KSJCL-ABTYP im eingegangenen IDoc.
Die Datenspur: Abrufumfang, Teilegruppe, Komponenten
Die Datenspur des Eingangs läuft über drei Tabellen. Sie sind die erste Anlaufstelle, wenn zu klären ist, ob ein Abruf überhaupt angekommen ist und in welcher Zerlegung er liegt.
| JITHD | Abrufumfang (so die Bezeichnung im Data Dictionary), trägt ABTYP |
| JITIT | Teilegruppe |
| JITCO | Abrufkomponenten |
| JITPG | Teilegruppentyp, trägt die Abrufsteuerung |
| CJIT01 | Abrufsteuerung, vierstellig |
Abrufsteuerung und Aktionsnetz
Die Abrufsteuerung hängt am Teilegruppentyp in JITPG; sie selbst ist vierstellig und liegt in CJIT01. An ihr hängt das Aktionsnetz, gepflegt über die Transaktion JITQ. Es besteht aus zwei Customizing-Tabellen: CJIT06 bildet den Wechsel des externen Status auf eine Aktion ab, CJIT07 führt von einem internen Bearbeitungsstand über die Aktion zum nächsten Stand. Beide gelten je Abrufsteuerung.
Die Begriffe sind dabei sauber getrennt: externer Status (CJIT02) ist das, was der Kunde meldet, interner Bearbeitungsstand (CJIT04) das, was im eigenen System gilt. Der vom Kunden gemeldete Status kommt als E1KSJCL-EXSTI herein und wird über CJIT03 umgesetzt. Wer diese Umsetzung übersieht, sucht den gemeldeten Status vergeblich im Beleg.
Teilegruppenfindung: Abladestelle und Verbauort
Abladestelle und Verbauort steuern die Teilegruppenfindung. Gepflegt werden beide je JIT-Kunde und Destination in JITPGD. Der Verbauort ist das Feld FLDPO und kommt im Segment E1KSJCL mit. Welche Kriterien mit welcher Priorität greifen, steht im Findungsprofil des JIT-Kunden (JITCU-FPROF) und dessen Customizing CJIT08.
Inbound und Outbound sind zwei Welten
JIT-Inbound und JIT-Outbound haben eigene Tabellen, eigene Transaktionen und eigenes Monitoring. Die Outbound-Seite führt JITOHD, JITOIT und JITOCO. Der „Abrufkopf“ JITOHD gehört damit zur Outbound-Seite — wer ihn für den Kopf des eingegangenen Abrufs hält, liest auf der falschen Strecke.
Format: VDA 4916 und die Global-Serie
Auf der Formatseite steht der produktionssynchrone Abruf in der VDA-Liste vom August 2024 auf Gelb: VDA 4916 ist nicht mehr empfohlen, aber weiterhin operativ im Einsatz. Nachfolger ist VDA 4986, JIS auf Basis von DELJIT. SAP bildet diese Empfehlungen nicht ab; im System stehen die oben genannten Nachrichtenarten und Basistypen. Eine Umstellung ist deshalb zuerst eine Mapping-Frage und erst danach eine Frage, ob im SAP etwas zu erweitern ist.
Womit ich am JIT-Teil beauftragt werde
- Eingrenzung eines Fehlerbildes in der laufenden JIT-Strecke, mit Befund und Korrekturvorschlag
- Arbeit an Abrufsteuerung, Aktionsnetz und Teilegruppenfindung
- Anbindung eines neuen Kunden oder eines neuen Werks, vom Abruf bis zur Abrechnung
- Vorprüfung einer Formatumstellung: was am Mapping und was im SAP zu tun ist
- Aufnahme des Ist-Standes und dokumentierte Übergabe an das Inhouse-Team
Getestet wird über den echten Weg: Abrufe entstehen als IDoc über die Partnervereinbarung, kein Direktschreiben in die Abruftabellen. Jede transportfähige Änderung geht in einen Transport, auch die kleine. Gibt es einen dokumentierten Standardweg, nehme ich ihn statt eines Z-Bausteins.
Wenn ein Abruf nicht so ankommt, wie er gemeldet wurde: Nennen Sie mir Nachrichtenart, IDoc-Status und Meldungsnummer sowie den betroffenen Beleg. Damit lässt sich im Telefonat einordnen, wo es hängt und was zu prüfen ist. Den Umfang klären wir im ersten Gespräch.