JIT- und JIS-Einführung

Eine JIT- oder JIS-Einführung ist kein weiterer Nachrichtentyp auf einer bestehenden Abrufstrecke. Sie bringt einen eigenen Beleg, eigene Stammdaten, eigenes Customizing und ein eigenes Monitoring mit. Diese Seite beschreibt, was dabei fachlich zu entscheiden ist — und wo diese Entscheidungen später im Betrieb sichtbar werden.

Worum es geht

Was die Branche JIS nennt, heißt im SAP-Standard produktionssynchroner Abruf, englisch Sequenced JIT Call. Der Kunde meldet nicht nur Menge und Termin, sondern die Reihenfolge, in der die Teile an seinem Band gebraucht werden. Daraus folgt der ganze Rest: Der Abruf braucht einen eigenen Beleg, weil eine Lieferplaneinteilung diese Reihenfolgeinformation nicht trägt.

Der Standard kennt drei gleichrangige Abruftypen. Welcher gefahren wird, ist die erste Weichenstellung des Projekts.

  • S — produktionssynchroner Abruf, mit Reihenfolge
  • D — Mengenabruf, ohne Reihenfolge
  • I — interner Abruf aus dem Pufferlager, mit eigenem Steuerprofil

Der Abruftyp wird nicht im Kundenstamm eingestellt. Er steht je Abruf im Feld ABTYP der Tabelle JITHD und kommt vom Kunden im Kopfsegment E1KSJCL des IDocs mit. Der JIT-Kundenstamm JITCU führt dazu lediglich einen Vorschlagswert im Feld VATYP.

Der Vorschlagswert im Kundenstamm sagt nichts darüber aus, was tatsächlich verbucht wird. Früh zu klären ist deshalb, was der Kunde in E1KSJCL-ABTYP wirklich sendet.

Der Eingangsweg

JIT-Abrufe kommen auf den Basistypen SEQJIT01 bis SEQJIT03 herein und werden von IDOC_INPUT_SEQJIT verarbeitet, Anwendungsobjekt BUS2150. Zwei Nachrichtenarten teilen sich diese Basistypen: SEQJIT für den produktionssynchronen Abruf und PAB_ORDERS für den Mengenabruf. Die SAP-Dokumentation nennt dazu den Eingangs-Vorgangscode SJCL. SEQJIT02 bringt zusätzliche Referenznummern, SEQJIT03 wird für Outbound und konfigurierbare Materialien verwendet.

Der Feinabruf gehört nicht hierher: Lieferabruf und Feinabruf laufen über die Nachrichtenart DELINS auf DELFOR01 und DELFOR02, mit eigener Findung und eigenen Meldungsnummern. Eine JIT-Einführung baut einen zweiten Strang daneben, sie ersetzt den ersten nicht.

Was eingerichtet wird

Der Umfang lässt sich an den Objekten ablesen, die neu entstehen. Sie sind zugleich die Liste dessen, was im Projekt entschieden werden muss.

ObjektWas darin entschieden wird
JITCUJIT-Kundenstamm: Findungsprofil, Vorschlag Abruftyp, Zeitzone
JITMAJIT-Materialdaten je Kunde
JITPGTeilegruppentypen — hier hängt die Abrufsteuerung
JITPGDAbladestellen und Verbauorte je Kunde
CJIT01Abrufsteuerung, vierstellig
CJIT02 / CJIT04externer Status, interner Bearbeitungsstand
CJIT06 / CJIT07Aktionsnetz je Abrufsteuerung
CJIT08Findungsprofil der Teilegruppe

Zur Laufzeit entsteht daraus eine dreistufige Datenspur: JITHD führt den Abrufumfang, JITIT die Teilegruppe, JITCO die Abrufkomponenten. Der Schnitt der Teilegruppe ist die zweite große Entscheidung — er bestimmt, in welcher Granularität später gesteuert und geliefert wird.

Statuslogik: das eigentliche Projekt

Der Kern einer JIT-Einführung ist nicht die Schnittstelle, sondern die Statuslogik. Jede Teilegruppe trägt zwei getrennte Größen: den externen Status, den der Kunde meldet, und den internen Bearbeitungsstand des eigenen Fortschritts. Der gemeldete Status kommt als Feld EXSTI in E1KSJCL herein und wird über CJIT03 umgesetzt — eine Tabelle, die beim Aufsetzen gern übersehen wird.

Das Aktionsnetz verbindet beides. Gepflegt wird es über die Transaktion JITQ: CJIT06 bildet den Wechsel des externen Status auf eine Aktion ab, CJIT07 führt von einem internen Bearbeitungsstand über die Aktion zum Folgestand, beide je Abrufsteuerung. Ein Netz mit Lücken fällt im Test nicht auf, weil der Testfall die Lücke nicht trifft — im Betrieb bleiben Teilegruppen dann in einem Stand hängen, obwohl der Vorgang längst erledigt ist. Deshalb schalte ich das Aktionsprotokoll von Anfang an ein; es hat in der Abrufsteuerung ein eigenes Kennzeichen.

Teilegruppenfindung: Abladestelle und Verbauort

Jeder eingehende Abruf muss seine Teilegruppe finden. Dabei gehen Abladestelle und Verbauort ein — gepflegt je Kunde und Destination in JITPGD, wobei der Verbauort das Feld FLDPO ist und im Segment E1KSJCL mitkommt. Mit welcher Priorität die Kriterien greifen, steht im Findungsprofil des JIT-Kunden und dessen Customizing CJIT08. Die Aufnahme dieser Daten ist eine eigene Projektaufgabe und muss stehen, bevor der erste Abruf eingespielt wird.


Fallen, die ich in der Planung anspreche

  • Inbound und Outbound sind zwei Welten. Die Lieferantenseite führt mit JITOHD, JITOIT und JITOCO eigene Tabellen und eigenes Customizing. Wer beides in ein Arbeitspaket packt, plant zwei Projekte als eines.
  • Begriffe sauber halten: „Abrufkopf“ ist im Data Dictionary die Outbound-Tabelle JITOHD, der Eingang führt den Abrufumfang in JITHD. Und „interner Status“ heißt korrekt interner Bearbeitungsstand — nur der externe heißt externer Status.
  • Formatstand vor Aufwandsschätzung. Der produktionssynchrone Abruf steht in der VDA-Empfehlungsliste vom August 2024 mit 4916 auf Gelb: nicht mehr empfohlen, aber weiter verbreitet. Nachfolger ist 4986, JIS auf Basis von DELJIT. SAP bildet diese Nummern nicht ab — eine Umstellung ist zuerst eine Mapping-Frage.
  • Add-ons können im JIT-Umfeld eigene Eingangsbausteine mitbringen. Was davon Standard ist, gehört vor Projektstart auseinandersortiert.

Wie ich vorgehe

Ich nehme zuerst auf, was der Kunde tatsächlich meldet — Abruftyp, Statuswerte, Abladestellen, Verbauorte — und leite daraus Teilegruppentyp und Abrufsteuerung ab. Danach kommt das Aktionsnetz, vollständig, einschließlich der Wege für Storno und Nachmeldung. Getestet wird über den echten Weg: Abrufe entstehen als IDoc über die Partnervereinbarung, nicht durch Direktschreiben in die Abruftabellen. Jede transportfähige Änderung geht in einen Transport. Gibt es einen dokumentierten Standardweg, nehme ich ihn statt einer Eigenentwicklung.

Zum Abschluss gehört eine Betriebsdokumentation, aus der das Inhouse-Team abliest, welcher Status auf welche Aktion zeigt und wo im Cockpit ein hängender Abruf sichtbar wird. Ohne diese Übergabe bleibt eine JIT-Strecke dauerhaft beratungsabhängig.


Für eine erste Einschätzung genügt mir wenig: welcher Abruftyp gefahren werden soll, ob zum selben Kunden bereits eine Lieferabrufstrecke läuft, welches Release im Einsatz ist — ECC 6.0 und S/4HANA arbeite ich beide — und ob die Satzarten noch VDA-klassisch oder bereits Global-Serie sind.