Ein Konzern-Template legt fest, wie Vertrieb, Transport und Lager in jedem Werk gleich laufen sollen. Mein Zuschnitt darin ist die Ausgangsseite: vom Vertriebsbeleg über Lieferung, Verpackung und Warenausgang bis zur Nachricht an Kunde, Spediteur und Lagerdienstleister — Konzeption, Abstimmung mit den Prozessverantwortlichen, Abnahme gegen Testfälle, Einführung in mehreren Werken.
Was das Template festlegt
Vor der ersten Customizing-Einstellung stehen fünf Entscheidungen. Wer sie offen lässt, trifft sie später in jedem Werk einzeln — und dann unterschiedlich.
- Welche Belegarten, Positions- und Einteilungstypen konzernweit gelten, und an welcher Stelle ein Werk eigene braucht.
- Welcher Weg für Frachtkosten gilt — und ob er im Zielrelease überhaupt zur Verfügung steht.
- Ob im Lager mit Handling Units gearbeitet wird, wer die NVE vergibt und wie die Nummernkreise je Werk geschnitten sind.
- Welche Nachrichten die Ausgangsseite verlassen, in welcher Reihenfolge sie greifen, und welchen Teil davon ein Lagerdienstleister übernimmt.
- Welche Stammdatenfelder Voraussetzung sind, statt erst im Integrationstest aufzufallen: Dispomerkmal, Statistikgruppen, Packmittelart.
Vertrieb: zwei Schalter, zwei Datenspuren
Im Einteilungstyp, gepflegt über VOV6 in der Tabelle TVEP, stehen zwei Kennzeichen nebeneinander, die im Template gern als eines behandelt werden: LFREL steuert die Lieferrelevanz, BEDSD die Bedarfsübergabe. Fehlt LFREL, steht die Einteilung nicht im Lieferfälligkeitsindex VEPVG — der Bedarf kann trotzdem in VBBE stehen. Fehlt BEDSD, entsteht kein Bedarfssatz, die Einteilung ist aber lieferbar. Die Verfügbarkeitsprüfung ist mit ATPPR noch einmal ein eigenes Kennzeichen.
Weil die Einteilungstypfindung über VOV5 am Dispomerkmal des Materials hängt, entscheidet ein Stammdatenfeld darüber, welcher Typ im neuen Werk gezogen wird. Das gehört in die Stammdaten-Vorgabe des Templates, nicht in die Nacharbeit.
Transport: der Frachtweg gehört an den Anfang
Für Frachtkosten mit Spediteuren stehen im SAP-Standard mehrere, technisch getrennte Wege nebeneinander: Embedded TM mit eigener Frachtabrechnung, verfügbar nur im S/4HANA; der klassische LE-TRA-Frachtkostenbeleg mit Transportarten in TVTK und Frachtkostenpositionstypen in TVFT, der im S/4 weiterhin neben TM liegt; die Dienstleistungsbeschaffung im Einkauf mit Abrechnung über das Gutschriftsverfahren; und für die Eingangsfracht die geplanten Bezugsnebenkosten in der Bestellung.
Der letzte Weg wird am häufigsten unterschätzt: Bezugsnebenkosten sind eine eigene Konditionsklasse mit Rückstellung und ein eigener Abrechnungsweg, decken aber nur die Eingangsfracht ab und kennen keine Frachtkalkulation über die Transport-Konditionstechnik. Welcher Weg passt, entscheidet sich an Kalkulationstiefe, Richtung der Fracht und Lizenz — im Template, nicht in der ersten Rollout-Welle.
Lager: Packen, Nummern, Schnittstelle
Begrifflich sauber zu bleiben spart hier eine Abstimmungsrunde: Im ERP heißt das Objekt Packvorschrift, angelegt über POP1 mit Findung über POF1 bis POF3, im EWM Packspezifikation; über CIF lässt sich die ERP-Packvorschrift dorthin verteilen. Ist ein Lagerort EWM-verwaltet und die Lieferung gepackt, läuft die Warenausgangsbuchung über die Lagerlogik. Wo ein Dienstleister das Lager führt, verschiebt sich die Grenze, an der das Template endet und die Schnittstelle beginnt.
Ob eine Handling Unit überhaupt eine NVE bekommt, entscheidet nicht das Verpackungsmaterial selbst, sondern seine Packmittelart und deren Nummernvergabe in der Tabelle TVTY: Die eine Einstellung erzeugt eine SSCC18, die andere zieht nur eine Nummer aus dem HU-Nummernkreis und damit gar keine NVE. Die Basisnummer wird kaskadierend gesucht: erst Werk plus Lagerort in T313Y, dann die Lagernummer in T313Z, dann das Werk allein, zuletzt die Mandantenebene.
Ein Template beschreibt den Sollprozess. Ob er läuft, entscheidet sich an Objekten, die es im neuen Werk noch gar nicht gibt: Lagernummer, Versandstelle, Nummernkreis, Packmittelart. Diese Liste gehört in das Template — nicht in die Nacharbeit der Welle.
Die Auswertung fällt still aus
Ob ein Auftrag, eine Lieferung, eine Faktura oder ein Transport in einer Infostruktur landet, entscheiden vier Statistikgruppen: am Kunden, am Material, an der Belegart und am Positionstyp. Aus ihnen ermittelt das System je Vertriebsbereich die Fortschreibungsgruppe, die dann im Beleg selbst steht. Fehlt zu einer Kombination der Findungseintrag, bleibt sie leer und der Beleg wird ohne jede Fehlermeldung in keine Infostruktur fortgeschrieben. Das ist der Punkt, an dem ein Template im Test durchläuft und Monate später der erste Werksbericht leer ist. Das Logistik-Informationssystem selbst läuft in ECC und S/4HANA gleichermaßen; SAP entwickelt es nicht weiter und stellt Embedded Analytics daneben.
Typische Fallen
| Symptom im Werk | Wo ich zuerst nachsehe |
|---|---|
| Position fehlt in der Lieferfälligkeit, Bedarf ist aber vorhanden | Lieferrelevanz im Einteilungstyp (TVEP-LFREL); der Bedarf steht in VBBE, die Fälligkeit in VEPVG |
| Kein Bedarf in der Disposition, geliefert wird trotzdem | Bedarfsübergabe im Einteilungstyp (TVEP-BEDSD); die Bedarfsart legt nur fest, welcher Bedarf entstünde |
| Handling Unit entsteht, trägt aber keine NVE | Nummernvergabe der Packmittelart in TVTY — nicht die Materialgruppe Packmittel, die nur erlaubte Packmittel und die Packvorschriftsfindung steuert |
| NVE im ersten Werk in Ordnung, im zweiten nicht | Basisnummer der Kaskade T313Y / T313Z: die Ebene, auf der sie gepflegt ist, entsteht im neuen Werk erst |
| Statistik und Werksbericht bleiben leer, ohne Fehler | Findung der Fortschreibungsgruppe aus den vier Statistikgruppen; ohne Eintrag wird still nichts fortgeschrieben |
Steht ein Template an oder soll ein bestehendes in weitere Werke: Beschreiben Sie mir den Schnitt in ein paar Sätzen — welche Prozesse die Ausgangsseite umfasst, ob das Lager selbst oder von einem Dienstleister geführt wird und welches Release das Ziel ist.