Extended Warehouse Management läuft im S/4HANA embedded: derselbe Mandant, dieselbe Datenbank, kein eigenes System. Trotzdem ist es eine eigene Welt mit eigenen Belegen, eigenen Tabellen und eigenen Begriffen. Diese Seite geht die Kette vom Auslieferungsauftrag bis zum Warenausgang durch und benennt danach, was im klassischen WM anders hieß. Die Angaben sind in meinem eigenen S/4HANA-System nachgesehen.
Eine Lagernummer, zwei Nummern
Die erste Überraschung steht ganz am Anfang. Auch bei embedded EWM trägt die Lieferung die dreistellige Lagernummer aus dem ERP-Teil; sie kommt aus T320, der Zuordnung von Werk und Lagerort zur Lagernummer. Das Lager selbst arbeitet unter einer eigenen, vierstelligen Nummer. Verbunden werden beide über eine Mapping-Tabelle: Lagernummer aus dem ERP-System auf Lagernummer des Lagerverwaltungssystems, dazu der Schlüssel des ERP-Systems.
Wer die beiden gleichsetzt, sucht Lagerplätze unter einer Nummer, die es im Lager nicht gibt. In meinem System steht die ERP-Nummer 171 für die EWM-Nummer 1710 — drei Zeichen gegen vier, und kein Automatismus dahinter.
Unter der Lagernummer hängen die Lagertypen, darunter Lagerbereiche und Lagerplätze. Größenordnung im eigenen System: zehn Lagernummern, zusammen 151 Lagertypen. Drei der zehn haben gar keinen Lagertyp — sie existieren, sind aber nicht eingerichtet. Ein Lager ist durchgebucht: 27 Lagerprozessarten, 22 Aktivitätsbereiche, gut 1.200 Lageraufträge und über 4.500 quittierte Lageraufgaben.
Der Auslieferungsauftrag ist nicht die Auslieferung
Aus der SD-Lieferung entsteht im Lager ein eigener Beleg: der Auslieferungsauftrag, auf der Eingangsseite die Anlieferung. Beide liegen in eigenen Tabellen und tragen eigene Nummern und Belegarten. Es ist ein Folgebeleg, keine Kopie — und genau deshalb kann er fehlen, während die Lieferung im Vertrieb längst existiert.
Ist die Lieferung an das Transportmanagement übergeben, kommt eine zweite Bedingung dazu: der Lagerausführungsstatus im Lieferkopf. Er beginnt bei „für Lagerausführung gesperrt“ und wird erst aus der Transportplanung freigegeben. Mehr dazu unter TM.
Lageraufgabe, Lagerauftrag, Lagerprozessart
Die kleinste Ausführungseinheit ist die Lageraufgabe: eine Bewegung von einem Platz auf einen anderen. Offene und quittierte Lageraufgaben stehen in getrennten Tabellen — wer nur die eine liest, sieht die halbe Wahrheit.
Gearbeitet wird nicht mit einzelnen Lageraufgaben, sondern mit dem Lagerauftrag: dem Arbeitspaket für einen Mitarbeiter. Gebündelt wird je Aktivitätsbereich, gesteuert über Erstellungsregeln mit Sortierung, Grenzwerten und Packprofil. Der Aktivitätsbereich steht im Lagerauftrag als eigenes Feld — er ist die Stellschraube, wenn Mitarbeiter zu große oder zu kleine Pakete bekommen.
Wie eine Lageraufgabe abgewickelt wird, entscheidet die Lagerprozessart, gefunden über eine eigene Findungstabelle. Die Ausprägungen sind je Lagernummer angelegt und tragen sprechende Texte: Einlagerung mit Entladen, einstufige Einlagerung, Einlagerung aus der Klärungszone, Auslagerung, Nachschub zum Fachboden, Bereitstellung für die Produktion, Umpacken, Verschrotten, dazu eigene Arten für Laden und Entladen von Handling Units.
„Lagerprozess“ gibt es als Objekt nicht. Im Data Dictionary steht kein einziges Datenelement mit diesem Text. Es heißt Lagerprozessart — und daneben, als übergeordnete Kategorie, Lagerprozesstyp. Zwei Felder, zwei Aufgaben.
Packspezifikation statt Packvorschrift
Wie ein Produkt zu packen ist, beschreibt im Lager die Packspezifikation: Ebenen, Packmittel, Mengen. Sie hat eine eigene Pflegetransaktion und einen eigenen Upload. Das ERP-Pendant heißt Packvorschrift und ist ein anderes Objekt mit anderen Tabellen. Wer beide gleichsetzt, plant die Verteilung falsch. Was daraus in der Nachricht an den Kunden wird, steht unter Verpacken und NVE.
Bei den Persistenztabellen der Packspezifikation ist Vorsicht angebracht: einige tragen im DDIC-Text selbst den Hinweis, dass sie nicht mehr zu verwenden sind. Sie stehen trotzdem im System und tauchen in älteren Beschreibungen auf.
Quittierung und Warenausgang
Kommissioniert ist erst, was quittiert ist. Mit der Quittierung wandert die Lageraufgabe aus der Tabelle der offenen in die der quittierten. Danach wird der Warenausgang gebucht und schlägt in die Bestandsführung durch. Bei Lieferungen, die über das Transportmanagement laufen, erreicht der Lagerausführungsstatus im Lieferkopf am Ende den Wert „bereit für Versand“.
Was WM war und was EWM ist
Das klassische Warehouse Management (LE-WM) ist laut Simplification List nicht mehr die Zielarchitektur des S/4HANA. Die Funktion bleibt nutzbar, aber ohne Weiterentwicklung; als Alternativen nennt SAP EWM und, seit S/4HANA 1909, Stock Room Management. Wer heute ein Lager im S/4HANA aufsetzt, entscheidet also zuerst diese Frage — und dann erst über Lagertypen.
Die Umstellung ist kein Umbenennen. Sechs Begriffspaare, die im Projekt regelmäßig durcheinandergeraten:
| Gegenstand | klassisches WM | EWM |
|---|---|---|
| Beleg im Lager | die SD-Lieferung selbst | eigener Auslieferungsauftrag |
| Kommissionierbeleg | Transportauftrag mit Kopf und Position | Lageraufgabe, gebündelt im Lagerauftrag |
| Steuerung der Bewegung | Bewegungsart Lagerverwaltung | Lagerprozessart |
| Bündelung | Gruppe beziehungsweise Sammelgang | Aktivitätsbereich |
| Einheit im Lager | Lagereinheit | Handling Unit |
| Packvorgabe | Packvorschrift | Packspezifikation |
Eine Falle steckt in der Tabellennummer: T333 heißt im klassischen WM „Bewegungsarten der Lagerverwaltung“, im EWM-Namensraum steht unter derselben Nummer die Lagerprozessart. Gleicher Name, anderes Objekt.
Und ein Befund aus der Praxis, der oft anders erzählt wird: Im klassischen WM setzt der Transportauftrag zur Lieferung direkt am Lieferbeleg an. Ein Transportbedarf entsteht dabei nicht — den gibt es auf der MM- und PP-Seite. Gemessen habe ich das in einem ECC 6.0: dort trägt kein einziger Transportbedarf den Bedarfstyp der Lieferung.
Was daneben im Transportmanagement passiert, steht unter TM; der gemeinsame Lade- und Entladeschritt beider Welten unter Advanced Shipping and Receiving. Zurück zur Übersicht: EWM/TM.
Kommt eine Lieferung im Lager nicht an: Nennen Sie mir die Belegart, den Lagerausführungsstatus und die Lagernummer — die aus dem Lieferbeleg und die des Lagers. Damit lässt sich im Telefonat einordnen, an welcher der beiden Welten es hängt.

