Zwischen dem Abruf des Kunden und dem Warenausgang liegen fünf Schritte, die im SAP jeweils eigene Belege und eigene Steuerungstabellen haben. Diese Seite beschreibt die Strecke als Ganzes und zeigt, wo sie in andere Welten übergibt: an die Nachrichtenausgabe, an das Lager, an die Faktura.
Vom Abruf zur Einteilung
Der Einstieg ist der Lieferabruf. Er verbucht sich nicht auf einen Auftrag, sondern auf einen Lieferplan — und findet ihn über die Lieferplanfindung. Erst danach entstehen die Einteilungen, also die Termin-Mengen-Paare, aus denen später eine Lieferung wird.
Diese drei Schritte tragen die häufigsten Störungen der ganzen Kette. Wer eine fehlende Lieferung untersucht, fängt nicht bei der Lieferung an, sondern hier.
Lieferfälligkeit und Lieferart
Aus fälligen Einteilungen wird ein Lieferbeleg — einzeln über VL01N, im Regelfall aber über die Lieferfälligkeitsliste: VL10A für versandfällige Kundenaufträge, VL10C für versandfällige Auftragspositionen. Der Bestand wird über den Auslieferungsmonitor VL06O verfolgt, ein gebuchter Warenausgang über VL09 zurückgenommen.
Welche Regeln greifen, hängt an der Lieferart in TVLK. Der Ausgangsfall ist LF („Auslieferung“); daneben stehen im Standard unter anderem EL („Anlieferung“), NL („Nachschublieferung“), LO („Lieferung ohne Ref.“), RL („Retouren Auslief.“) und RLL („Rückl. an Lieferant“).
Sauber getrennt werden sie erst eine Ebene tiefer, über den Vertriebsbelegtyp: LF, LO, NL, RL und RLL laufen allesamt als J („Auslieferung“), EL dagegen als 7 („Anlieferung/Lieferavis“) und die einfache Retourenlieferung LR als T („Retourenlieferung zum Auftrag“). Die Retoure ist damit zweigeteilt: RL bleibt im Ausgangstyp, LR nicht. Wer eine Auswertung allein auf die Lieferart baut, mischt Ein- und Ausgang.
Der Fortschritt steht im Status, nicht in der Menge
Wie weit eine Lieferung ist, sagen vier Statusfelder: KOSTK für die Kommissionierung, PKSTK für das Verpacken, LVSTK für die Lageraktivitäten und WBSTK für die Warenbewegung. Drei davon — KOSTK, LVSTK und WBSTK — liegen auf derselben Domäne mit vier Ausprägungen:
| Wert | Bedeutung |
|---|---|
| (leer) | nicht relevant |
| A | nicht bearbeitet |
| B | teilweise bearbeitet |
| C | vollständig bearbeitet |
Der Packstatus PKSTK tanzt aus der Reihe: Er hängt an einer eigenen Domäne mit einem fünften Wert — D, „es gibt nur freie Versandelemente“. Eine Auswertung, die alle vier Felder über denselben Wertevorrat prüft, lässt diesen Fall unter den Tisch fallen.
Hier liegt ein realer Unterschied zwischen den Releases: Auf S/4HANA trägt der Lieferkopf LIKP diese vier Felder selbst. Im ECC hat LIKP keines davon — dort stehen sie in der Statustabelle VBUK, positionsweise in VBUP. Wer eine ECC-Auswertung nach S/4 mitnimmt, muss diese Join-Stelle anfassen.
Kommissionierung: der Transportauftrag hängt am Lieferbeleg
Ob überhaupt kommissioniert werden muss, entscheidet eine einzige Customizing-Tabelle: T320 ordnet Werk und Lagerort einer Lagernummer zu. Steht die Kombination der Lieferposition dort nicht, ist die Position nicht lagerverwaltet — und die halbe Kette entfällt.
Im klassischen Warehouse Management setzt der Transportauftrag direkt am Lieferbeleg an (LT03): Bedarfstyp L, Bedarfsnummer gleich Lieferungsnummer, WM-Bewegungsart 601 („WA Lieferschein“). Ein Transportbedarf entsteht dabei nicht — den gibt es auf der MM- und PP-Seite. Das Ziel der Auslagerung ist ein dynamischer Lagerplatz in der Versandzone: Lagertyp 916, und als Platz die Lieferungsnummer selbst. Dadurch hängt der kommissionierte Bestand am Lieferbeleg.
Die Kommissionierung gilt erst mit der Quittierung als erledigt. Bis dahin steht der Kommissionierstatus auf B, und die Lieferung sieht in jeder Liste unfertig aus, obwohl die Ware längst am Tor steht.
Verpacken: die Handling Unit hängt ebenfalls an der Lieferung
Verpackt wird aus der Auslieferung heraus oder über HU02. Die Handling Unit steht in VEKP mit dem Verpackungsobjekt 01 („Auslieferung“) und der Lieferungsnummer als Objektschlüssel; der Inhalt liegt in VEPO und verweist auf die Lieferposition. Die externe Identifikation der HU ist das Feld EXIDV — dort landet die NVE.
Wie die achtzehnstellige Nummer zustande kommt, welche Packmittelart sie auslöst und wo die Basisnummer gesucht wird, steht unter Verpacken und NVE. Aus derselben Packstruktur speisen sich später das Lieferavis und das Etikett — ein Grund, warum ein Packfehler doppelt auffällt.
Warenausgang
Mit dem Warenausgang geht WBSTK auf C und das Ist-Warenausgangsdatum in LIKP wird gesetzt. Erst ab hier ist die Lieferung fakturierbar, und erst ab hier ist das Lieferavis fachlich richtig — ein Avis vor dem Warenausgang meldet eine Menge, die das Werk noch nicht verlassen hat.
Wo die Lieferung endet und das Lager übernimmt
Im klassischen WM bleibt alles im selben Beleggeflecht: Transportauftrag und Lieferung liegen im selben System, im selben Mandanten, mit direkter Referenz. Mit EWM ändert sich das. Der EWM-Auslieferungsauftrag ist ein eigener Beleg mit eigener Belegkategorie, kein Abbild der SD-Auslieferung — und die Kommissionierung läuft dort nicht über Transportaufträge, sondern über Lageraufgaben, gebündelt zu Lageraufträgen.
Das Scharnier ist ein Feld im Lieferkopf: der Lagerausführungsstatus. Er kennt fünf Werte — nicht relevant, für Lagerausführung gesperrt, freigegeben, in Lagerabwicklung, bereit für Versand. Solange er auf „gesperrt“ steht, passiert im Lager nichts, egal wie vollständig die Lieferung aussieht. Was danach kommt, steht in der Gruppe EWM/TM.
Kommen Sie an dieser Stelle nicht weiter: Nennen Sie mir Lieferart, Lieferungsnummer und den Stand der vier Statusfelder. Damit lässt sich im Telefonat einordnen, ob die Ursache im Abruf, in der Lieferfälligkeit, im Lager oder in der Nachrichtenausgabe sitzt.

