Lieferungen

Zwischen dem Abruf des Kunden und dem Warenausgang liegen fünf Schritte, die im SAP jeweils eigene Belege und eigene Steuerungstabellen haben. Diese Seite beschreibt die Strecke als Ganzes und zeigt, wo sie in andere Welten übergibt: an die Nachrichtenausgabe, an das Lager, an die Faktura.

Versandkette mit klassischem WM Prozessgrafik in einer Bahn von links nach rechts mit sieben Stationen. Erstens Kundenauftrag oder Lieferplan, Transaktionen VA01 und VA31. Zweitens Auslieferung anlegen mit VL01N oder der Sammelverarbeitung VL10A und VL10C; die Lagernummer kommt ueber die Tabelle T320 an den Lieferbeleg. Drittens, optional und daher gestrichelt: Gruppe beziehungsweise Sammelgang, Transaktionen VL35 und LT41 bis LT44, Feld LTAK-REFNR. Viertens, gelb hervorgehoben, der Transportauftrag zur Lieferung mit LT03, Bedarfstyp LTAK-BETYP gleich L und WM-Bewegungsart 601. Fuenftens Kommissionieren und Quittieren mit LT12 und LT11, Kennzeichen LTAP-PQUIT gleich X, Status VBUK-LVSTK gleich C. Sechstens Verpacken in Handling Units mit VL02N oder HU02, Verpackungsobjekt VEKP-VPOBJ gleich 01 gleich Auslieferung. Siebtens Warenausgang buchen mit VL02N, Storno VL09, Status VBUK-WBSTK gleich C und Feld LIKP-WADAT_IST. Unter der Bahn stehen drei Erlaeuterungen: die Weiche der Kette, naemlich der WM-verwaltete Lagerort in Tabelle T320; die Bewegung der Transportauftragsposition LTAP vom Lagertyp 001 Hochregallager, Platz 03-01-01, auf den Lagertyp 916 Versandzone Lieferungen, wobei der Nachlagerplatz die Lieferungsnummer selbst ist, gesteuert ueber das Kennzeichen dynamischer Lagerplatz LTAP-NKDYN; und der Hinweis, dass die Handling Unit am Lieferbeleg haengt, nicht am Transportauftrag. Ganz unten links, gelb, der gemessene Kernbefund: der Transportauftrag setzt direkt am Lieferbeleg an, ein Transportbedarf entsteht in dieser Kette nicht. Rechts daneben der andere Weg zum Transportauftrag ueber den Transportbedarf LTBK und LTBP aus MM- und PP-Bewegungen mit LB01, Customizing T321 und LT04. Versandkette mit klassischem WM Vom Kundenauftrag bis zum Warenausgang, wenn der Lagerort WM-verwaltet ist — gemessen im ECC 6.0, Lagernummer 001 „Zentrallager“ Kundenauftrag oder Lieferplan VA01 Kundenauftrag VA31 Lieferplan Auslieferung anlegen VL01N VL10A · VL10C LGNUM aus T320 Gruppe / Sammelgang optional VL35 · LT41–LT44 LTAK-REFNR Transportauftrag zur Lieferung LT03 LTAK-BETYP ‚L‘ BWLVS 601 Kommissionieren und quittieren LT12 · LT11 LTAP-PQUIT = ‚X‘ VBUK-LVSTK = ‚C‘ Verpacken in Handling Units VL02N · HU02 VEKP-VPOBJ ’01‘ = Auslieferung Warenausgang buchen VL02N, Storno VL09 VBUK-WBSTK = ‚C‘ LIKP-WADAT_IST Die Weiche: WM-verwalteter Lagerort T320 ordnet Werk und Lagerort einer Lagernummer zu. Erst dann trägt der Lieferbeleg LIKP-LGNUM und LIPS-LGNUM — und die Position wird WM-relevant. Was die Transportauftragsposition bewegt (LTAP) von Lagertyp 001 „Hochregallager“, Lagerplatz 03-01-01, Quant in LQUA nach Lagertyp 916 „Versandzone Lieferungen“ Nachlagerplatz ist die Lieferungsnummer selbst — Kennzeichen dynamischer Lagerplatz, LTAP-NKDYN = ‚X‘. Die HU hängt am Lieferbeleg VEKP-VPOBJ ’01‘ = Auslieferung, VPOBJKEY = Lieferungsnummer — nicht am Transportauftrag. WM-Seite: Lagereinheit LEIN-LENUM. Verpacken kann vorher liegen. Der Transportauftrag setzt direkt am Lieferbeleg an LTAK-BETYP ‚L‘, LTAK-BENUM = Lieferungsnummer, LTAK-BWLVS 601 „WA Lieferschein“. Ein Transportbedarf entsteht dabei nicht: in der gemessenen Lagernummer 001 gibt es keinen einzigen LTBK-Satz mit Bedarfstyp ‚L‘. Der Transportbedarf gehört zur MM-/PP-Seite LTBK und LTBP entstehen aus Materialbewegungen; das Customizing T321 legt je Bewegungsart fest, ob ein Transportbedarf oder direkt ein TA erzeugt wird. Anlegen mit LB01, Umsetzung mit LT04 „Erzeugen TA aus TB“. Prozessrichtung gemessener Kernbefund optionaler Schritt LT03 = Transaktion, Tabelle oder Feld
Versandkette mit klassischem Warehouse Management: von der Auslieferung über Transportauftrag und Quittierung bis zum Warenausgang.

Vom Abruf zur Einteilung

Der Einstieg ist der Lieferabruf. Er verbucht sich nicht auf einen Auftrag, sondern auf einen Lieferplan — und findet ihn über die Lieferplanfindung. Erst danach entstehen die Einteilungen, also die Termin-Mengen-Paare, aus denen später eine Lieferung wird.

Diese drei Schritte tragen die häufigsten Störungen der ganzen Kette. Wer eine fehlende Lieferung untersucht, fängt nicht bei der Lieferung an, sondern hier.

Lieferfälligkeit und Lieferart

Aus fälligen Einteilungen wird ein Lieferbeleg — einzeln über VL01N, im Regelfall aber über die Lieferfälligkeitsliste: VL10A für versandfällige Kundenaufträge, VL10C für versandfällige Auftragspositionen. Der Bestand wird über den Auslieferungsmonitor VL06O verfolgt, ein gebuchter Warenausgang über VL09 zurückgenommen.

Welche Regeln greifen, hängt an der Lieferart in TVLK. Der Ausgangsfall ist LF („Auslieferung“); daneben stehen im Standard unter anderem EL („Anlieferung“), NL („Nachschublieferung“), LO („Lieferung ohne Ref.“), RL („Retouren Auslief.“) und RLL („Rückl. an Lieferant“).

Sauber getrennt werden sie erst eine Ebene tiefer, über den Vertriebsbelegtyp: LF, LO, NL, RL und RLL laufen allesamt als J („Auslieferung“), EL dagegen als 7 („Anlieferung/Lieferavis“) und die einfache Retourenlieferung LR als T („Retourenlieferung zum Auftrag“). Die Retoure ist damit zweigeteilt: RL bleibt im Ausgangstyp, LR nicht. Wer eine Auswertung allein auf die Lieferart baut, mischt Ein- und Ausgang.

Der Fortschritt steht im Status, nicht in der Menge

Wie weit eine Lieferung ist, sagen vier Statusfelder: KOSTK für die Kommissionierung, PKSTK für das Verpacken, LVSTK für die Lageraktivitäten und WBSTK für die Warenbewegung. Drei davon — KOSTK, LVSTK und WBSTK — liegen auf derselben Domäne mit vier Ausprägungen:

WertBedeutung
(leer)nicht relevant
Anicht bearbeitet
Bteilweise bearbeitet
Cvollständig bearbeitet

Der Packstatus PKSTK tanzt aus der Reihe: Er hängt an einer eigenen Domäne mit einem fünften Wert — D, „es gibt nur freie Versandelemente“. Eine Auswertung, die alle vier Felder über denselben Wertevorrat prüft, lässt diesen Fall unter den Tisch fallen.

Hier liegt ein realer Unterschied zwischen den Releases: Auf S/4HANA trägt der Lieferkopf LIKP diese vier Felder selbst. Im ECC hat LIKP keines davon — dort stehen sie in der Statustabelle VBUK, positionsweise in VBUP. Wer eine ECC-Auswertung nach S/4 mitnimmt, muss diese Join-Stelle anfassen.

Kommissionierung: der Transportauftrag hängt am Lieferbeleg

Ob überhaupt kommissioniert werden muss, entscheidet eine einzige Customizing-Tabelle: T320 ordnet Werk und Lagerort einer Lagernummer zu. Steht die Kombination der Lieferposition dort nicht, ist die Position nicht lagerverwaltet — und die halbe Kette entfällt.

Im klassischen Warehouse Management setzt der Transportauftrag direkt am Lieferbeleg an (LT03): Bedarfstyp L, Bedarfsnummer gleich Lieferungsnummer, WM-Bewegungsart 601 („WA Lieferschein“). Ein Transportbedarf entsteht dabei nicht — den gibt es auf der MM- und PP-Seite. Das Ziel der Auslagerung ist ein dynamischer Lagerplatz in der Versandzone: Lagertyp 916, und als Platz die Lieferungsnummer selbst. Dadurch hängt der kommissionierte Bestand am Lieferbeleg.

Die Kommissionierung gilt erst mit der Quittierung als erledigt. Bis dahin steht der Kommissionierstatus auf B, und die Lieferung sieht in jeder Liste unfertig aus, obwohl die Ware längst am Tor steht.

Verpacken: die Handling Unit hängt ebenfalls an der Lieferung

Verpackt wird aus der Auslieferung heraus oder über HU02. Die Handling Unit steht in VEKP mit dem Verpackungsobjekt 01 („Auslieferung“) und der Lieferungsnummer als Objektschlüssel; der Inhalt liegt in VEPO und verweist auf die Lieferposition. Die externe Identifikation der HU ist das Feld EXIDV — dort landet die NVE.

Wie die achtzehnstellige Nummer zustande kommt, welche Packmittelart sie auslöst und wo die Basisnummer gesucht wird, steht unter Verpacken und NVE. Aus derselben Packstruktur speisen sich später das Lieferavis und das Etikett — ein Grund, warum ein Packfehler doppelt auffällt.

Warenausgang

Mit dem Warenausgang geht WBSTK auf C und das Ist-Warenausgangsdatum in LIKP wird gesetzt. Erst ab hier ist die Lieferung fakturierbar, und erst ab hier ist das Lieferavis fachlich richtig — ein Avis vor dem Warenausgang meldet eine Menge, die das Werk noch nicht verlassen hat.


Wo die Lieferung endet und das Lager übernimmt

Im klassischen WM bleibt alles im selben Beleggeflecht: Transportauftrag und Lieferung liegen im selben System, im selben Mandanten, mit direkter Referenz. Mit EWM ändert sich das. Der EWM-Auslieferungsauftrag ist ein eigener Beleg mit eigener Belegkategorie, kein Abbild der SD-Auslieferung — und die Kommissionierung läuft dort nicht über Transportaufträge, sondern über Lageraufgaben, gebündelt zu Lageraufträgen.

Das Scharnier ist ein Feld im Lieferkopf: der Lagerausführungsstatus. Er kennt fünf Werte — nicht relevant, für Lagerausführung gesperrt, freigegeben, in Lagerabwicklung, bereit für Versand. Solange er auf „gesperrt“ steht, passiert im Lager nichts, egal wie vollständig die Lieferung aussieht. Was danach kommt, steht in der Gruppe EWM/TM.

Kommen Sie an dieser Stelle nicht weiter: Nennen Sie mir Lieferart, Lieferungsnummer und den Stand der vier Statusfelder. Damit lässt sich im Telefonat einordnen, ob die Ursache im Abruf, in der Lieferfälligkeit, im Lager oder in der Nachrichtenausgabe sitzt.