Das Lieferavis stimmt in der Menge, nicht in der Struktur

Der Kunde kann im Wareneingang nicht gegen die Packstücke vereinnahmen und schickt das Avis zurück. Im eigenen System ist alles grün: Lieferung gebucht, Nachricht gefunden, Nachricht versendet. Auch die Mengen stimmen. Der Fachbereich meldet deshalb einen Fehler beim Kunden — und liegt daneben.

Symptom

Das Lieferavis wird angenommen, die Positionen lassen sich aber nicht gegen Handling Units buchen. Mengenabgleich in Ordnung, Strukturabgleich nicht. Ein Avis überträgt eben nicht nur Mengen, sondern die Verpackungsstruktur.

Im Basistyp DELVRY03 steht der Packstückkopf im Segment E1EDL37. Darunter hängt genau ein Segment E1EDL38 — und das führt keine Merkmale, sondern die Bezeichnungstexte zum Packmittel. Die Packstückpositionen liegen in E1EDL44, dort stehen unter anderem die externe Handling-Unit-Nummer EXIDV und die Charge.

Die Zulieferer-Prozesskette Prozessgrafik in zwei Bahnen. Obere Bahn von links nach rechts, sieben Stationen: Lieferabruf vom Kunden (Nachrichtenart DELINS auf Basistyp DELFOR02, Vorgangscode DELI), Lieferplan mit Einteilungen (Findung ueber den Index VLPKM, Abrufart im Feld SCREL des Segments E1EDP10), Lieferung und Kommissionierung (Lieferfaelligkeitsliste VL10, Einteilungstyp in Tabelle TVEP), Verpackung in Handling Units (NVE beziehungsweise SSCC, achtzehnstellig, gesteuert ueber die Packmittelart in Tabelle TVTY), Warenausgang mit Bewegungsart 601, Lieferavis an den Kunden (DESADV auf Basistyp DELVRY03, VDA 4987) und Faktura (INVOIC im Ausgang, VDA 4938). Am rechten Rand steht der Kunde. Von dort laeuft die untere Bahn in Gegenrichtung von rechts nach links zurueck: Gutschriftsverfahren (GSVERF im Eingang, Abgleich gegen die Faktura, VDA 4938) und Zahlungsavis (REMADV im Eingang, Ausgleich im FI, VDA 4988). Gelb markiert ist die Lieferplanfindung als Bruchstelle der Kette mit den Meldungen V4 034 und V4 035. Die Zulieferer-Prozesskette Vom Lieferabruf bis zur Abrechnung — und zurück Lieferabruf vom Kunden DELINS auf DELFOR02 Vorgangscode DELI Lieferplan und Einteilungen Findung über VLPKM SCREL in E1EDP10 Lieferung und Kommissionierung Lieferfälligkeit VL10 Einteilungstyp TVEP Verpackung in Handling Units NVE/SSCC, 18-stellig Packmittelart TVTY Warenausgang Bewegungsart 601 Lieferavis an den Kunden DESADV auf DELVRY03 VDA 4987 Faktura INVOIC im Ausgang VDA 4938 Kunde Bruchstelle der Kette — die Lieferplanfindung V4 034: kein Treffer · V4 035: nicht eindeutig Rückfluss vom Kunden Der Kunde rechnet selbst ab und avisiert die Zahlung. Beide Nachrichten laufen beim Zulieferer im Eingang. Gutschriftsverfahren GSVERF im Eingang Abgleich gegen Faktura VDA 4938 Zahlungsavis REMADV im Eingang Ausgleich im FI VDA 4988 Prozessrichtung Bruchstelle DELINS = SAP-Nachrichtenart oder Objekt
Verpackung, Warenausgang und Lieferavis in der Kette: das Avis trägt die Struktur, nicht nur die Menge.

Ursache

Drei Ursachen lagen übereinander. Die gesendete Struktur war formal gültig und inhaltlich einstufig, während der Kunde zwei Stufen erwartete. Mehrstufiges Packen bildet der Standard ab; entstanden war es nur nicht.

Der zweite Auslöser lag am Packmittel. Ob überhaupt eine NVE vergeben wird, entscheidet nicht das Verpackungsmaterial selbst, sondern seine Packmittelart im Materialstamm (MARA-VHART) und dazu das Customizing in TVTY. Dort steuert das Feld NRVERG:

TVTY-NRVERGWirkung
ASSCC18 wird beim Anlegen der Handling Unit erzeugt
Bnur eine Nummer aus dem Nummernkreisobjekt HU_VEKP — und damit gar keine NVE
leerkeine HU-Funktionalität

Die eingesetzte Packmittelart war aus einer Standardart geklont, bei der die Vergabe ausgeschaltet war. Nicht zu verwechseln ist das mit der Materialgruppe Packmittel (MARA-MAGRV): Die steuert erlaubte Packmittel und die Packvorschriftsfindung, nicht die Nummernvergabe.

Die dritte Voraussetzung ist die Basisnummer. Gesucht wird kaskadierend: erst Werk plus Lagerort in T313Y, dann die Lagernummer in T313Z, dann das Werk allein, zuletzt die Mandantenebene. Die achtzehnstellige NVE setzt sich zusammen aus der HU-Art als erster Stelle, der ILN-Basisnummer aus dem Customizing, der laufenden Nummer aus dem Nummernkreis und einer Prüfziffer nach Modulo 10.

Vorgehen

  • Packvorschrift und deren Findung so eingestellt, dass die vom Kunden erwartete Stufigkeit automatisch entsteht — angelegt über POP1, Findung über POF1 bis POF3, Stammdaten in PIKP und PIPO.
  • Eine eigene Packmittelart mit aktiver SSCC18-Vergabe angelegt, statt die Standardart weiter zu klonen.
  • ILN-Basisnummer je Werk und Lagerort hinterlegt und die Kaskade gegen den tatsächlichen Versandort geprüft.
  • Versandzeitpunkt und Anforderungsroutine so gesetzt, dass die Verarbeitung erst nach dem Warenausgang läuft. Gefunden wird die Nachricht bei der Lieferungsanlage — das ist richtig so, sagt aber nichts darüber, wann sie hinausgeht.

Nachgewiesen habe ich das am echten Beleg über VEKP: EXIDV trägt das Ergebnis, EXIDA die Herkunft — C für eine generierte SSCC18, E für einen externen Nummernkreis, A für eine interne Nummer. Damit ist die Frage, ob eine Lieferung überhaupt echte NVE trägt, beantwortet, bevor jemand das Avis öffnet.

Ergebnis

Das Avis ging mit vollständiger Packhierarchie hinaus, jede Handling Unit mit eigener NVE. Der Wareneingang beim Kunden lief wieder gegen Packstücke statt gegen Mengen.


Für die Abstimmung mit dem Kunden lohnt eine Begriffsklärung: Das Global Transport Label nach VDA 4994 ist ein Kennzeichnungsstandard und keine Nachricht — die Daten wandern per Lieferavis, VDA 4987. Mehr dazu unter Kommissionieren, Verpacken, NVE, Lieferavis im Ausgang und Etiketten und Papiere. Woher die Nummer kommt und wann gar keine vergeben wird, steht in Woher die NVE kommt.


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