Feinabruf, Sequenzabruf, Mengenabruf: zwei Stränge, drei Abruftypen

Feinabruf und Sequenzabruf werden im Gespräch gern in einen Topf geworfen, weil beide „kurzfristig“ sind. Im SAP sind es zwei getrennte Stränge mit eigenen Basistypen, eigenen Bausteinen und eigenen Anwendungsobjekten — und im JIT-Strang stecken drei Abruftypen, nicht zwei.

Strang eins: Lieferabruf und Feinabruf

Die Nachrichtenarten DELINS, DELFOR und DELJIT sitzen alle auf denselben Basistypen DELFOR01 und DELFOR02. Registriert ist der Eingang unter DELINS: Vorgangscode DELI, Anwendungsobjekt Lieferplan. Der EDIFACT-Feinabruf DELJIT hat im SAP-Standard keinen eigenen registrierten Eingang; er wird auf denselben Basistyp gemappt und läuft über den DELINS-Eingang mit.

Getrennt werden Lieferabruf und Feinabruf erst bei der Verarbeitung, über das Feld SCREL im Positionssegment E1EDP10:

E1EDP10-SCRELAbrufartim Beleg VBLB-ABART
02Feinabruf2
03Lieferabruf1
04Lieferabruf1

Ein Feld ABART kommt dagegen in keinem Segment des DELFOR-Basistyps vor: Die Abrufart wird aus SCREL abgeleitet und erst im Beleg gesetzt.

Strang zwei: der JIT-Abruf

Der zweite Strang trägt die Basistypen SEQJIT01, SEQJIT02 und SEQJIT03, verarbeitet von IDOC_INPUT_SEQJIT. Anwendungsobjekt ist der JIT-Abruf, nicht der Lieferplan.

EbeneStrang LieferplanStrang JIT
NachrichtenartDELINS, DELFOR, DELJITSEQJIT, PAB_ORDERS
BasistypDELFOR01, DELFOR02SEQJIT01, SEQJIT02, SEQJIT03
EingangsbausteinIDOC_INPUT_DELINS_STARTIDOC_INPUT_SEQJIT
AnwendungsobjektLieferplanJIT-Abruf

Auf den JIT-Basistypen sitzen zwei Nachrichtenarten: SEQJIT für den produktionssynchronen, sequenzierten Abruf und PAB_ORDERS für den Mengenabruf. Gleicher Basistyp, gleicher Baustein, verschiedene Nachrichtenart — mit Folgen für die Partnervereinbarung.

Drei Abruftypen, nicht zwei

Fachlich unterschieden werden die Abrufe über den Abruftyp im Kopfsegment E1KSJCL, Feld ABTYP. Es gibt drei gleichrangige Werte:

ABTYPBedeutung
Sproduktionssynchroner Abruf
DMengenabruf
Iinterner Abruf aus dem Pufferlager

Persistent steht der Wert danach in JITHD-ABTYP. Vorgegeben wird er vom Kunden im Abruf selbst — im JIT-Kundenstamm JITCU gibt es dazu kein Feld; dort steht unter anderem das Findungsprofil für die Teilegruppe. „Der Kunde ist auf Mengenabruf eingestellt“ beschreibt also eine Gewohnheit, keine Einstellung im System.

Nicht jeder Feinabruf kommt über EDI

Die Transaktion JITH gleicht JIT-Abrufe gegen Liefer- und Feinabruf ab (Programm RJITLAB001) und erzeugt daraus Feinabrufe, begrenzt auf den Feinabrufhorizont der Lieferplanposition. Zwei Wege stehen zur Wahl: Batch-Input auf den Lieferplan oder ein erzeugtes IDoc. Eingreifen lässt sich über den BAdI JIT_JITH, Methode HANDLE_CHANGE.

Wer einen Feinabruf im System sucht und ihn im EDI-Eingang nicht findet, sollte diesen Weg mitprüfen. Der Beleg sieht gleich aus, hat aber kein IDoc hinter sich.

Zum Vokabular

Ein JIT-Abruf zerfällt in Teilegruppen (JITIT), jede Teilegruppe trägt ihre Abrufkomponenten (JITCO); der Kopf heißt Abrufumfang (JITHD). Jede Teilegruppe führt einen externen Status und einen internen Bearbeitungsstand — „interner Status“ ist keine SAP-Bezeichnung.

Welche Aktion aus welchem Bearbeitungsstand in welchen Folgestand führt, legt das Aktionsnetz fest (Transaktion JITQ), und zwar je Abrufsteuerung. Wenn ein Abruf hängt, sehe ich dort zuerst nach: Meist ist nicht die Aktion falsch, sondern der Bearbeitungsstand, aus dem sie kommen soll.


Der erste Strang im Detail: Lieferabruf und Feinabruf. Der zweite: JIT und JIS. Was aus einem verbuchten Abruf eine Lieferung oder einen Bedarf macht, steht unter Einteilungen, die Findung unter Lieferplanfindung, Symptome unter Fehlerbilder.