Der SAP-Standard kennt vier Verfahren, wie Fortschrittszahlen zum Geschäftsjahreswechsel zurückgesetzt werden. Auswählen lässt sich keines davon: Es gibt dafür keine Customizing-Tabelle und keine IMG-Aktivität. Wer B, C oder D fahren will, entwickelt.
Die vier Verfahren
| Wert | Wirkung |
|---|---|
| A | setzt zum Geschäftsjahreswechsel automatisch zurück |
| B | setzt nicht zurück |
| C | arbeitet mit Korrekturlieferungen |
| D | arbeitet mit Korrektur-Fortschrittszahlen aus einer eigenen Tabelle (VBKFZ), die auf die Statistik aufaddiert werden |
Den Wert ermittelt der Funktionsbaustein SD_DETERMINE_FISC_YEAR_CHANGE über einen Kundenaufruf. Liefert dort niemand etwas, gilt hart A. Deshalb hat die Frage „wo stelle ich das ein“ keine Antwort: A ist kein Vorschlagswert, sondern das Ergebnis mangels Alternative.
Zwei Erweiterungspunkte — und sie greifen nacheinander
Der klassische Weg ist die SAP-Erweiterung V45L0001 mit der Komponente EXIT_SAPLV45L_004, „Rücksetzen der Lieferfortschrittszahl zum Geschäftsjahresende“. Daneben steht EXIT_SAPLV45L_005 zum Stoppen des Jahreswechsels.
In S/4HANA kommt der BAdI SD_SLS_RESET_CUMLTV_QTY_SA mit der Methode RESET_CUMLTV_QTY dazu. Zwei Dinge muss man dabei wissen:
- Der BAdI akzeptiert nur A und B. Liefert er C oder D, verwirft das Standardcoding den Wert und fällt auf A zurück.
- BAdI und Customer-Exit greifen nacheinander, nicht alternativ. Der Exit kommt danach und überschreibt.
Beides gleichzeitig zu implementieren erzeugt Verhalten, das nur noch im Debugger erklärbar ist. Im klassischen ECC existiert dieser BAdI nicht; dort bleibt allein der Exit.
C und D schließen sich außerdem gegenseitig aus. C ist für im ERP geplante Lieferpläne vorgesehen, D für die über CIF angebundenen. Kommt das falsche Verfahren zurück, bricht die Abrufbearbeitung mit V4 335 ab.
Verwechslungsgefahr am Rand: Der BAdI ME_ME88_CQ_RESET klingt ähnlich, gehört aber zur Einkaufsseite.
Welches Geschäftsjahr überhaupt gilt
Das entscheidet die Geschäftsjahresvariante des Warenempfängers — Partnerrolle WE, nicht Auftraggeber. Gepflegt wird sie in den allgemeinen Stammdaten des Kunden (KNA1-PERIV), nicht in den Verkaufsbereichsdaten; ob das Feld überhaupt sichtbar ist, steuert die Feldauswahl der Kontengruppe.
Ist keine Variante gepflegt, nimmt das System das Kalenderjahr des Abrufdatums. Der Jahreswechsel findet also trotzdem statt, nur zum 31. Dezember. Unterdrücken lässt er sich ausschließlich über Verfahren B.
Der zweite, unabhängige Mechanismus
Daneben läuft eine Nullstellung, die mit dem Geschäftsjahr nichts zu tun hat: Der Kunde überträgt im Abruf ein eigenes Nullstellungsdatum samt der dazu erreichten Fortschrittszahl. Die laufenden Zahlen kommen dagegen positionsbezogen — im Kopf steht nur die zum Nullstellungsdatum erreichte Zahl.
| Feld | Ort | Bedeutung |
|---|---|---|
| CYDAT | Kopf E1EDK09, im Beleg VBLB-CYDAT | Nullstellungsdatum aus dem Abruf |
| CYEFZ | Kopf E1EDK09, im Beleg VBLB-CYEFZ | die zum Nullstellungsdatum erreichte Fortschrittszahl |
| AKUEM | Position E1EDP10 | aktuelle kumulierte erhaltene Menge, also die Eingangsfortschrittszahl |
| SOLLFZ | Position E1EDP10 | Sollfortschrittszahl |
| FZDIF | Position E1EDP10 | Differenz |
Eine Nebenwirkung, die selten mitgedacht wird
Die Lieferfortschrittszahl wird aus einer Infostruktur des Logistik-Informationssystems gelesen (S073). Ein Neuaufbau dieser Statistik ist damit kein reiner Auswertungsvorgang — er greift in die Zahlen ein, die gegenüber dem Kunden gelten.
Die Station in der Prozesskette beschreibt Fortschrittszahlen und Geschäftsjahreswechsel. Woher die Felder im Abruf kommen, steht unter Lieferabruf und Feinabruf, Symptome aus dem Betrieb unter Fehlerbilder.

