Der Kunde kann im Wareneingang nicht gegen die Packstücke vereinnahmen und schickt das Avis zurück. Im eigenen System ist alles grün: Lieferung gebucht, Nachricht gefunden, Nachricht versendet. Auch die Mengen stimmen. Der Fachbereich meldet deshalb einen Fehler beim Kunden — und liegt daneben.
Symptom
Das Lieferavis wird angenommen, die Positionen lassen sich aber nicht gegen Handling Units buchen. Mengenabgleich in Ordnung, Strukturabgleich nicht. Ein Avis überträgt eben nicht nur Mengen, sondern die Verpackungsstruktur.
Im Basistyp DELVRY03 steht der Packstückkopf im Segment E1EDL37. Darunter hängt genau ein Segment E1EDL38 — und das führt keine Merkmale, sondern die Bezeichnungstexte zum Packmittel. Die Packstückpositionen liegen in E1EDL44, dort stehen unter anderem die externe Handling-Unit-Nummer EXIDV und die Charge.
Ursache
Drei Ursachen lagen übereinander. Die gesendete Struktur war formal gültig und inhaltlich einstufig, während der Kunde zwei Stufen erwartete. Mehrstufiges Packen bildet der Standard ab; entstanden war es nur nicht.
Der zweite Auslöser lag am Packmittel. Ob überhaupt eine NVE vergeben wird, entscheidet nicht das Verpackungsmaterial selbst, sondern seine Packmittelart im Materialstamm (MARA-VHART) und dazu das Customizing in TVTY. Dort steuert das Feld NRVERG:
| TVTY-NRVERG | Wirkung |
|---|---|
| A | SSCC18 wird beim Anlegen der Handling Unit erzeugt |
| B | nur eine Nummer aus dem Nummernkreisobjekt HU_VEKP — und damit gar keine NVE |
| leer | keine HU-Funktionalität |
Die eingesetzte Packmittelart war aus einer Standardart geklont, bei der die Vergabe ausgeschaltet war. Nicht zu verwechseln ist das mit der Materialgruppe Packmittel (MARA-MAGRV): Die steuert erlaubte Packmittel und die Packvorschriftsfindung, nicht die Nummernvergabe.
Die dritte Voraussetzung ist die Basisnummer. Gesucht wird kaskadierend: erst Werk plus Lagerort in T313Y, dann die Lagernummer in T313Z, dann das Werk allein, zuletzt die Mandantenebene. Die achtzehnstellige NVE setzt sich zusammen aus der HU-Art als erster Stelle, der ILN-Basisnummer aus dem Customizing, der laufenden Nummer aus dem Nummernkreis und einer Prüfziffer nach Modulo 10.
Vorgehen
- Packvorschrift und deren Findung so eingestellt, dass die vom Kunden erwartete Stufigkeit automatisch entsteht — angelegt über POP1, Findung über POF1 bis POF3, Stammdaten in PIKP und PIPO.
- Eine eigene Packmittelart mit aktiver SSCC18-Vergabe angelegt, statt die Standardart weiter zu klonen.
- ILN-Basisnummer je Werk und Lagerort hinterlegt und die Kaskade gegen den tatsächlichen Versandort geprüft.
- Versandzeitpunkt und Anforderungsroutine so gesetzt, dass die Verarbeitung erst nach dem Warenausgang läuft. Gefunden wird die Nachricht bei der Lieferungsanlage — das ist richtig so, sagt aber nichts darüber, wann sie hinausgeht.
Nachgewiesen habe ich das am echten Beleg über VEKP: EXIDV trägt das Ergebnis, EXIDA die Herkunft — C für eine generierte SSCC18, E für einen externen Nummernkreis, A für eine interne Nummer. Damit ist die Frage, ob eine Lieferung überhaupt echte NVE trägt, beantwortet, bevor jemand das Avis öffnet.
Ergebnis
Das Avis ging mit vollständiger Packhierarchie hinaus, jede Handling Unit mit eigener NVE. Der Wareneingang beim Kunden lief wieder gegen Packstücke statt gegen Mengen.
Für die Abstimmung mit dem Kunden lohnt eine Begriffsklärung: Das Global Transport Label nach VDA 4994 ist ein Kennzeichnungsstandard und keine Nachricht — die Daten wandern per Lieferavis, VDA 4987. Mehr dazu unter Kommissionieren, Verpacken, NVE, Lieferavis im Ausgang und Etiketten und Papiere. Woher die Nummer kommt und wann gar keine vergeben wird, steht in Woher die NVE kommt.
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