Kurz nach dem Geschäftsjahreswechsel meldet der Kunde Übermengen, der Versand rechnet dagegen und kommt auf einen anderen Wert. Beide Seiten haben recht: Sie zählen gegen verschiedene Anfangsstände. Was folgt, sind Korrekturlieferungen und eine Diskussion, die niemand am Beleg entscheiden kann.
Symptom
Die kumulierten Mengen im Kundenabruf und im Lieferplan weichen ab dem Wechsel voneinander ab. Der Kunde rechnet gegen seinen Zählerstand, der Lieferant gegen den alten. Dazu kommt ein zweites Bild, das den ersten Verdacht regelmäßig in die falsche Richtung lenkt: Einzelne Abrufe brechen im Nachtlauf ab, während derselbe Abruf im Dialog anstandslos durchläuft.
Ursache
An der Nullstellung hängen drei Größen, die selten zusammen betrachtet werden.
Erstens die Geschäftsjahresvariante. Sie hängt am Warenempfänger, also an der Partnerrolle WE, und wird in den allgemeinen Kundenstammdaten gepflegt (KNA1-PERIV), gesteuert über die Feldauswahl der Kontengruppe. In den Verkaufsbereichsdaten gibt es dieses Feld nicht. Fehlt die Variante, arbeitet der Standard mit dem Kalenderjahr des Abrufdatums — der Jahreswechsel findet also trotzdem statt, nur zum 31. Dezember.
Zweitens das Nullstellungsdatum des Kunden. Er schickt es samt der dazu erreichten Fortschrittszahl mit. Im IDoc stehen beide im Kopfsegment E1EDK09 als CYDAT und CYEFZ, im Beleg als VBLB-CYDAT und VBLB-CYEFZ. Die laufenden Zahlen kommen dagegen positionsbezogen: E1EDP10 führt AKUEM als Eingangsfortschrittszahl, dazu SOLLFZ und die Differenz FZDIF. Wer im Kopf die laufende Fortschrittszahl sucht, verwechselt zwei Mechanismen.
Drittens das Rücksetzverfahren. Der Standard kennt vier: A setzt automatisch zurück, B gar nicht, C und D sind an das Planungsumfeld gebunden — C für im ERP geplante Lieferpläne, D für die über CIF angebundenen. Das falsche Verfahren bricht die Abrufbearbeitung mit V4 335 ab.
Das Verfahren ist nicht customizingfähig. Es gibt dafür keine Tabelle und keine IMG-Aktivität. Ohne Erweiterung liefert der Standardbaustein immer A. Das gehört vor der Zusage geklärt, nicht danach.
Der Unterschied zwischen Dialog und Hintergrund war kein Zufall. Über die Nachrichtenversion MSGVS in T663A, gepflegt je Auftraggeber und Abladestelle, entscheidet sich, ob dieselbe Prüfung als Information oder als Fehler ausgegeben wird.
Vorgehen
- Geschäftsjahresvariante am Warenempfänger geprüft und gesetzt — nicht am Auftraggeber.
- Das Rücksetzverfahren als fachliche Entscheidung dokumentiert und dort verankert, wo der Standard es vorsieht: in der SAP-Erweiterung V45L0001, Komponente EXIT_SAPLV45L_004. Zum Stoppen des Jahreswechsels steht daneben EXIT_SAPLV45L_005.
- Nachrichtenversion MSGVS in T663A je Auftraggeber abgeglichen, damit Dialog und Nachtlauf dieselbe Meldung gleich bewerten.
Für S/4HANA kommt ein Punkt dazu, der leicht zu einem zweiten Fehlerbild wird. Dort gibt es zusätzlich den BAdI SD_SLS_RESET_CUMLTV_QTY_SA mit der Methode RESET_CUMLTV_QTY. Er akzeptiert nur A und B; C und D verwirft das Standardcoding wieder. Außerdem greifen BAdI und Customer-Exit nacheinander, nicht alternativ — der Exit kommt danach und überschreibt. Beides gleichzeitig zu implementieren erzeugt Verhalten, das später niemand mehr nachvollzieht.
Ergebnis
Die Zählerstände stimmten auf beiden Seiten überein, der Stichtagslauf lief im Hintergrund durch. Ein Punkt kam ausdrücklich in die Betriebsanleitung: Die Fortschrittszahlen liegen auf der LIS-Struktur S073. Wer diese Infostruktur neu aufbaut, greift damit in die Abrufabwicklung ein und nicht nur ins Reporting.
Die Station im Zusammenhang beschreibt Fortschrittszahlen und Geschäftsjahreswechsel. Warum das Rücksetzverfahren Entwicklung ist und keine Einstellung, steht ausführlich in Der Fortschrittszahlen-Reset steht in keiner Customizing-Tabelle. Wo die Felder im Abruf herkommen, steht unter Lieferabruf und Feinabruf im Eingang.
Weiter in dieser Rubrik
- Der Abruf kommt an, der Lieferplan bleibt leer
- Das Lieferavis stimmt in der Menge, nicht in der Struktur
- Die Selbstabrechnung des Kunden findet die Lieferung nicht
- Die Einteilung fehlt in der Lieferfälligkeit – oder in der Disposition
- Der JIT-Abruf steht, obwohl die Teile längst gefahren sind
- V4 034 und V4 035 sind zwei verschiedene Fehlerbilder
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