Die Faktura ist der Punkt, an dem eine Lieferung zu einer Forderung wird. Was dabei schiefgeht, kommt meist als Mengen- oder Splitproblem an; die Ursache steht fast immer in zwei Tabellen — der Fakturaart und der Kopiersteuerung. Am Ende steht die Abgrenzung zur elektronischen Rechnung — ein Schritt nach der Faktura, kein Ersatz.
Fakturaart und Vertriebsbelegtyp
Die Fakturaart steuert Nummernkreis, Kontenfindung, Nachrichtenschema und Storno. Darunter liegt der Vertriebsbelegtyp — das Feld, an dem jede Auswertung und jede Schnittstelle unterscheidet, womit sie es zu tun hat.
| Fakturaart | Bezeichnung | Vertriebsbelegtyp |
|---|---|---|
| F2 | Rechnung | M – Rechnung |
| G2 | Gutschrift | O – Gutschrift |
| L2 | Lastschrift | P – Lastschrift |
| RE | Retourengutschrift | O – Gutschrift |
| IV | Interne Verrechnung | 5 – Interne Verrechnung (Rechnung) |
| IG | Interne Gutschrift | 6 – Interne Verrechnung (Gutschrift) |
| LR | Rechnungsliste | 3 – Rechnungsliste |
Das Storno ist kein Programmverhalten, sondern Customizing an der Fakturaart selbst: F2 storniert nach S1, G2 und RE nach S2, IV nach IVS, IG nach IGS. Wer eine eigene Fakturaart anlegt und dieses Feld leer lässt, merkt es erst beim ersten Storno.
Auftragsbezogen oder lieferbezogen
Welche Fakturaart vorgeschlagen wird, steht an der Verkaufsbelegart — und zwar zweimal: einmal für die auftragsbezogene, einmal für die lieferbezogene Faktura.
| Verkaufsbelegart | auftragsbezogen | lieferbezogen |
|---|---|---|
| TA – Terminauftrag | F2 | F2 |
| LZ – Lieferplan mit Abruf | – | F2 |
| LZM – Lieferplan mit Auslieferungsauftrag | – | F1 |
Die Lieferplanarten tragen im Standard keine auftragsbezogene Fakturaart: fakturiert wird, was geliefert wurde, nicht was abgerufen wurde. Dass die beiden zudem unterschiedliche Fakturaarten vorschlagen, wird bei einer neuen Kundenstrecke gern übersehen.
Sammel- oder Einzelfaktura: das Feld ZUKRI
Einzeln entsteht eine Faktura über VF01, im Massenlauf über den Fakturavorrat VF04 oder die Batchfakturierung VF06; storniert wird über VF11. Ob mehrere Lieferungen in einem Beleg landen, entscheidet nicht der Sachbearbeiter, sondern ein Feld im Fakturakopf: ZUKRI, die „Zusammenführungskriterien in der Faktura“. Unterscheiden sie sich, entsteht ein zweiter Beleg — der Rechnungssplit ist kein Fehler, sondern ein Ergebnis.
Gepflegt wird das in der Kopiersteuerung TVCPF. Ihr Schlüssel ist die Ziel-Fakturaart, der Vorgängerbeleg — Auftrags-, Liefer- oder Fakturaart — und der Positionstyp der Vorlage. Vier Felder tun die Arbeit: Kopierbedingungen, zwei Datenübernahmen und das Fakturamengen-Kennzeichen.
Das letzte wird am häufigsten übersehen. Es hat neun Ausprägungen; diese fünf begegnen einem im Vertrieb am häufigsten:
| Wert | Bedeutung |
|---|---|
| A | Auftragsmenge minus bereits fakturierte Menge |
| B | Liefermenge minus bereits fakturierte Menge |
| C | Auftragsmenge |
| D | Liefermenge |
| G | Kumulierte Chargenmenge minus bereits fakturierte Menge |
Wer wissen will, warum eine Rechnung eine andere Menge trägt als der Lieferschein, sieht hier nach — nicht in der Preisfindung.
Fakturaplan, Rechnungsliste, interne Verrechnung
Nicht jede Faktura hängt an einem Warenausgang. Der Fakturierungsplan ist ein eigenes Belegpaar aus Kopf und Terminen (FPLA und FPLT), gesteuert über die Fakturierungsplanart; die Verknüpfung zum Verkaufsbeleg läuft über die Fakturierungsplannummer in den kaufmännischen Daten.
Die Rechnungsliste fasst fertige Fakturen zu einem Sammelbeleg zusammen, ohne sie zu verändern; welche Listenart greift, steht ebenfalls an der Fakturaart (F2 und L2 auf LR, G2, IG und RE auf LG), angelegt wird sie über VF21. Und die innerbetriebliche Verrechnung ist keine Variante der Kundenrechnung, sondern ein eigener Vertriebsbelegtyp — deshalb unterschlägt eine Auswertung, die nur auf Rechnung und Gutschrift filtert, den Konzernumsatz stillschweigend.
Wenn der Kunde abrechnet
Im Gutschriftsverfahren stellt der Kunde die Abrechnung und schickt sie dem Lieferanten. Die eigene Faktura entfällt deshalb nicht automatisch: In der klassischen Verarbeitung entsteht sie weiter, und der Eingang wird gegen Lieferung und Faktura abgeglichen; in der Variante mit Rechnungserstellung legt erst der Eingang die Faktura an. Was entfällt, ist die Rechnung als eigene Ausgangsnachricht. Technisch teilen sich die Varianten die IDoc-Typen GSVERF01 bis GSVERF03, laufen aber unter getrennten Nachrichtentypen; der Eingangsmonitor ist VSB1N.
Eingangsbausteine, Lieferungszuordnung und Steuertabelle stehen unter Abrechnung, das häufigste Störungsbild unter Selbstabrechnung findet die Lieferung nicht.
Die elektronische Rechnung ist ein Schritt danach
Die elektronische Rechnung ersetzt die Faktura nicht. Der Fakturabeleg bleibt der Beleg im SAP; das elektronische Dokument entsteht daraus als eigenes Objekt mit eigenem Status.
- Welche Belegarten auslösen dürfen, steht in einem eigenen Katalog von Quellenarten — darunter FI-Rechnung, SD-Faktura, Bestellung und Auslieferung.
- Scharf gestellt wird je Buchungskreis und Quellenart. Ohne diesen Eintrag entsteht nichts, und im Beleg ist davon nichts zu sehen.
- Das Dokument trägt Quellenart und Quellschlüssel als Rücklink, dazu Prozess, Prozessstatus und einen verdichteten Metastatus mit drei Werten: abgeschlossen, in Bearbeitung, Aktion erforderlich.
- Die Schritte sind eigene Customizing-Objekte an Klasse und Methode: anlegen, senden, Antwort verarbeiten, stornieren.
Zwei Folgerungen: Ein Faktura-Storno macht das elektronische Dokument nicht ungeschehen — dafür gibt es einen eigenen Schritt, und wer ihn nicht einplant, hat zwei Wahrheiten. Und die Kette von der Erzeugung über Validierung bis zur Übergabe lässt sich vollständig abdecken; die letzte Meile ist zulassungsgebunden, dort endet mein Anteil bewusst.
Kommen Sie an dieser Stelle nicht weiter: Nennen Sie mir Fakturaart, Vorgängerbeleg und das beobachtete Verhalten — fehlender Beleg, unerwarteter Split oder abweichende Menge. Damit lässt sich im Telefonat einordnen, wo die Ursache sitzt.

