Advanced Intercompany Sales und Advanced Intercompany Stock Transfer bilden konzerninterne Ketten über mehrere rechtliche Einheiten als einen zusammenhängenden Prozess ab — nicht als Folge einzeln angelegter Aufträge. Verkaufende und liefernde Gesellschaft hängen an einem führenden Beleg, die internen Belege entstehen automatisch. Das ändert weniger am Warenfluss als an der Frage, wer welchen Beleg wann anfassen darf.
Zwei Prozesse, ein Baukasten
Beim Verkauf bestellt ein externer Kunde bei der verkaufenden Gesellschaft, geliefert wird aus einer anderen — entweder liefert das produzierende Haus direkt an den Kunden, oder ein Zentrallager übernimmt den Versand. Es entsteht dabei nur eine Lieferung, angelegt von der liefernden Gesellschaft, und die Ware geht physisch direkt an den externen Kunden.
Bei der Umlagerung gibt es keinen externen Kunden. Abgedeckt ist allein der Bestandsverkehr zwischen Werken, die zu verschiedenen Buchungskreisen gehören. Beide Prozesse werden über dieselbe Anwendung überwacht, Monitor Value Chains.
Die Belegkette im Verkaufsfall
- Der Standardauftrag in der verkaufenden Gesellschaft ist der führende Beleg. Relevant wird eine Position, wenn ihr Lieferwerk zu einem anderen Buchungskreis gehört als der Verkaufsbereich.
- Beim Sichern entsteht in derselben Gesellschaft automatisch eine Intercompany-Bestellung.
- Dazu erzeugt das System in der liefernden Gesellschaft je Bestellung einen Intercompany-Auftrag der Belegart CBIC. Auftraggeber ist die Kundennummer des Transitwerks, die Bestellnummer wird als Kundenreferenz übernommen. Der Positionstyp CBIC ist logistisch nicht relevant.
- Die Auslieferung legt die liefernde Gesellschaft mit Bezug auf den Standardauftrag an.
- Der Warenausgang bucht in den bewerteten Transitbestand. Die Einteilung trägt dazu die Bewegungsart 687.
- Am Ende stehen drei Rechnungen: die Intercompany-Kundenrechnung der liefernden Gesellschaft, die daraus erzeugte Intercompany-Lieferantenrechnung und die Rechnung an den externen Kunden.
Bei der Umlagerung beginnt die Kette stattdessen mit der Intercompany-Bestellung der empfangenden Gesellschaft; der Auftrag in der liefernden Gesellschaft entsteht im Hintergrund. Die Anlieferung wird automatisch erzeugt, und erst der Wareneingang macht aus dem Transitbestand frei verwendbaren Bestand.
Was vor der Einführung zu entscheiden ist
- Preisfindung je Gesellschaft. Sie wird für die liefernde und die verkaufende Seite getrennt aufgesetzt. Liegen interne und externe Preisdefinition nah beieinander, lässt sich das vorhandene Kalkulationsschema weiterverwenden; unterscheiden sie sich deutlich, braucht es eigene Schemata, die über das Kalkulationsschema des Kunden gefunden werden.
- Interner Preis und Gewinnspanne. Für die Kosten des internen Verkaufs sieht der Standard die Konditionsart PCIP vor, Kategorie G, mit der Bedingung 4 für Kosten. Die Gewinnspanne rechnet im ausgelieferten Schema über die Formel 11.
- Transitwerk. Die Kosten des internen Verkaufs kommen aus dem Bewertungssegment des Lieferwerks, die des externen Verkaufs aus dem des Transitwerks. Das Transitwerk dient vor allem der Anbindung an die Buchhaltung und steht in der Auftragsposition unter dem Lieferwerk.
- Übergang der Verfügungsmacht. Die Termine dafür stehen in der Auslieferung und bestimmen, wann die Umbuchungen zwischen den Transitbeständen laufen. Das ist eine kaufmännische Festlegung mit Wirkung auf die Umsatzrealisierung nach IFRS 15, keine technische Nebensache.
- Aktivierung. Der Prozess wird über den Konfigurationsleitfaden zum SAP-Hinweis 3233830 eingerichtet oder in einem inhaltsbasierten System über das Scope Item 5D2 aktiviert.
Fallen, die in Tests spät auffallen
| Symptom | Ursache |
|---|---|
| Keine Folgebelege zum Auftrag | Die Menge ist im Lieferwerk nicht wenigstens teilweise bestätigt — ohne Bestätigung entsteht keine Intercompany-Bestellung |
| Warenausgang landet nicht im Transitbestand | Die Einteilung führt nicht die Bewegungsart 687, die Position ist damit nicht als Advanced-Intercompany-Position ausgeprägt |
| Warenbewegung bricht zum Monatswechsel ab | Das Buchungsdatum leitet sich aus dem Übergang der Verfügungsmacht ab und fällt in eine geschlossene Periode |
| Mehr Bestellungen als erwartet | Werden Positionen aus verschiedenen Werken bezogen, entsteht je Werk eine eigene Bestellung |
Zwischen der Intercompany-Kundenrechnung und der Rechnung an den externen Kunden besteht keine Abhängigkeit. Wer den Fakturalauf so plant, als müsse die eine auf die andere warten, baut eine Reihenfolge ein, die der Standard nicht kennt — und erzeugt Klärfälle, die es sonst nicht gäbe.
Der Punkt, an dem SD allein nicht reicht
Der bewertete Transitbestand ist kein reines Vertriebsthema. Er erscheint im Materialledger als Sonderbestand, und der Zwischengewinn zwischen den Gesellschaften wird in der legalen Sicht über eine eigene Kostenkomponente ausgewiesen. Ob dieser Ausweis gewollt ist, entscheidet das Controlling, nicht der Vertrieb. Eine Einführung ohne mitentscheidendes Controlling bleibt an dieser Stelle regelmäßig stehen.
Betrieb nach dem Go-Live
Weil die Kette aus automatisch erzeugten Belegen besteht, ist der Einstieg in den Support nicht mehr der Einzelbeleg. Monitor Value Chains zeigt den gesamten Ablauf als Liste oder als Flussbild, auf Beleg- und auf Positionsebene, mit den Nummern von Aufträgen, Bestellungen, Lieferungen, Materialbelegen und Rechnungen. Fehlerhafte Belege lassen sich von dort erneut verarbeiten, stornieren oder manuell anstoßen. Die Anwendung gehört damit in die Rollen- und Berechtigungsplanung, bevor der Prozess produktiv geht. Erweiterungen sieht der Standard unter anderem für die Daten der Lieferantenrechnung und für das Buchungsdatum der Warenbewegungen vor.
Vor der Frage, wie Advanced Intercompany eingerichtet wird, steht die Frage, ob es gebraucht wird. Für eine Einschätzung brauche ich die Gesellschafts- und Werksstruktur, die Richtung der internen Ströme, den Stand der Verrechnungspreise und die Aussage, ob der Übergang der Verfügungsmacht kaufmännisch definiert ist. Damit steht meist schon fest, ob der Prozess passt.
