Ein Abruf verbucht nicht. Die Fortschrittszahl passt nach dem Jahreswechsel nicht. Das Avis wird abgelehnt. Das Gutschriftsverfahren läuft auf Differenzen. Solche Fälle kommen kurzfristig und tageweise — und sie kosten vor allem deshalb Zeit, weil zuerst niemand weiß, wo der Fehler überhaupt sitzt.
Eingrenzen kommt vor Reparieren
Meine Aufgabe im Störungsfall ist zunächst nicht die Korrektur, sondern die Eingrenzung: Sitzt der Fehler im Mapping, in der Findung, im Customizing oder im Stammdatum? Diese vier Orte verlangen vier verschiedene Korrekturen und vier verschiedene Zuständige. Weil SAP-Customizing und EDI-Seite bei mir in einer Hand liegen, muss die Frage nicht zwischen zwei Häusern über Tickets ausgehandelt werden — genau das ist bei Abruf- und Avis-Fehlern der eigentliche Zeitfresser.
Ein Beispiel für den Unterschied, den diese Eingrenzung macht: Fehlende Lieferrelevanz und fehlende Bedarfsübergabe sind zwei getrennte Kennzeichen im Einteilungstyp (VOV6, Tabelle TVEP). Fehlt die Lieferrelevanz, verschwindet die Einteilung aus der Lieferfälligkeitsliste; fehlt die Bedarfsübergabe, entsteht kein Bedarfssatz in der Disposition. Zwei verschiedene Symptome, zwei verschiedene Korrekturen — und zwei verschiedene Fachbereiche, die sich sonst gegenseitig den Ball zuspielen.
Wo ich bei den häufigen Störungsbildern zuerst hinsehe
| Symptom | Erste Spur |
| Der Lieferabruf verbucht nicht | Die Meldungen der Lieferplanfindung. V4 034 heißt: kein Treffer im Index. V4 035 heißt: mehrere Treffer, die Findung ist nicht eindeutig. V4 032 und V4 033 zeigen fehlendes Customizing in T661W und T663A. |
| Die Fortschrittszahl stimmt nach dem Jahreswechsel nicht | Die Geschäftsjahresvariante des Warenempfängers in den allgemeinen Kundenstammdaten (KNA1-PERIV) und der Bauplatz der Reset-Erweiterung. |
| Das Avis wird abgelehnt oder trägt keine NVE | Die Packmittelart des Verpackungsmaterials und die dahinterliegende Nummernvergabe in der Tabelle TVTY. |
| Das Gutschriftsverfahren läuft auf Differenzen | Der Vorgangscode und der Weg der eingehenden Nachricht: GSVE führt zum Abrechnungsbeleg, SBAP in den Eingangsmonitor VSB1N. |
Warum der Fehlerstatus allein nicht weiterhilft
V4 034 und V4 035 setzen denselben Fehlerstatus, die Korrekturen laufen aber in entgegengesetzte Richtungen: einmal fehlt der Lieferplan im Index, einmal gibt es mehrere Treffer. Wer den IDoc-Status als alleiniges Kriterium nimmt, sortiert deshalb falsch. Dazu kommt eine Eigenheit des Standards: Fehlt das Kundenwerk im Abruf, fällt die Findung auf Kunde plus Kundenmaterial zurück und meldet 035 selbst dann, wenn es nur einen einzigen Lieferplan gibt. Das erklärt eine häufige Rückfrage aus dem Fachbereich. Auflösen lässt sich der Fall über die Meldungen V4 073 bis 075, die alle Findungswerte protokollieren.
Beim Zurücksetzen der Fortschrittszahlen ist der Bauplatz release-abhängig. Im ECC gibt es dafür ausschließlich den Customer-Exit V45L0001 mit der Komponente EXIT_SAPLV45L_004. Im S/4HANA kommt der BAdI SD_SLS_RESET_CUMLTV_QTY_SA hinzu, der aber nur die Verfahren A und B annimmt. Beide greifen nacheinander, und der Exit läuft danach — wer beides implementiert, überschreibt sein eigenes BAdI-Ergebnis.
Ähnlich liegt es beim Gutschriftsverfahren. Auf der Kundenseite entsteht dieselbe Nachricht aus der automatischen Wareneingangsabrechnung (MRRL beziehungsweise MRER), aus der Konsignationsabrechnung (MRKO) und aus der Neubewertung (MRNB). Wer nur ERS im Blick hat, sucht bei den anderen beiden lange.
Umfang und Ablauf
- Tageweise und kurzfristig. Anfragen beantworte ich zeitnah; ob ich der Richtige bin, sage ich sofort.
- Zuerst lesend: Partnervereinbarung, Nachrichtensteuerung, Fehlerbestand und der konkrete Beleg.
- Ergebnis ist ein Befund mit klarer Zuordnung: Mapping, Findung, Customizing oder Stammdatum — und der Korrekturvorschlag dazu.
- Auf Wunsch setze ich die Korrektur selbst um, auf ECC 6.0 und auf S/4HANA.
Zweitmeinung ohne laufendes Projekt
Dieselbe Einsatzform nutze ich für Zweitmeinungen: Ein Befund liegt vor, eine Korrektur ist vorgeschlagen, und Sie wollen wissen, ob sie das Problem trifft oder nur das Symptom verschiebt. Dafür braucht es kein Projekt und keinen Rahmenvertrag. Hält der Befund stand, sage ich das ebenso deutlich, wie ich widerspreche, wenn er es nicht tut.
Nächster Schritt
Schreiben Sie mir in ein paar Sätzen, was ansteht: welcher Kunde oder OEM, welche Nachricht, welches Release und welches Fehlerbild. Eine Seite Beschreibung reicht für die Antwort, ob ich der Richtige bin und in welchem Zuschnitt.
