Transfer Pricing in S/4HANA

Verrechnungspreise sind der Preis, zu dem eine Konzerngesellschaft an eine andere liefert. Sie stehen nicht im Belieben des Vertriebs: Sie folgen einer Vorgabe, die aus der Steuerabteilung oder der steuerlichen Beratung kommt. Meine Aufgabe beginnt danach — wenn diese Vorgabe in Belege, Preisfindung und Bewertung zu übersetzen ist, und zwar so, dass sie im Tagesgeschäft ohne Nacharbeit trägt.

Ein Preis, drei Sichten

Der häufigste Denkfehler zu Beginn einer Einführung ist, den Verrechnungspreis als eine einzige Zahl zu behandeln. Im System fällt er in drei Sichten auseinander, die getrennt entschieden werden müssen und getrennt auseinanderlaufen können.

  • Der Preis auf dem Beleg — im konzerninternen Auftrag, in der Umlagerungsbestellung, in der internen Rechnung. Er entsteht über die Preisfindung und ist das, was die beteiligten Gesellschaften voneinander fordern.
  • Die Bewertung des Bestands im empfangenden Werk. Sie entsteht beim Wareneingang und ist eine Frage der Bestandsführung, nicht der Preisfindung.
  • Die Sicht der Ergebnisrechnung, die den konzerninternen Aufschlag wieder herausrechnen soll, um das Ergebnis aus Sicht des Konzerns zu zeigen.

Wer nur die erste Sicht einstellt, bekommt eine saubere interne Rechnung und trotzdem Differenzen, die erst im Abschluss auffallen. Deshalb gehört das Rechnungswesen von der ersten Konzeptsitzung an mit an den Tisch, nicht erst zum Integrationstest.

An welchen Belegketten der Preis hängt

Verrechnungspreise sind kein eigener Prozess. Sie hängen an Prozessen, die ohnehin laufen — und jede dieser Ketten stellt eigene Anforderungen an die Findung.

KetteWo der Verrechnungspreis wirkt
Konzerninterner VerkaufDie liefernde Gesellschaft fakturiert intern, die verkaufende extern an den Endkunden. Zwei Preise auf derselben Warenbewegung.
Umlagerung zwischen Werken verschiedener BuchungskreiseBestellung, Lieferung, Wareneingang und interne Rechnung. Hier trifft die Preisfindung auf die Bestandsbewertung.
Streckengeschäft und LohnbearbeitungDie Ware läuft an einer Gesellschaft vorbei, der Wert nicht. Beistellung und Rückmeldung brauchen eine eigene Regel.
Retoure über GesellschaftsgrenzenDer Rückweg muss denselben Wertansatz treffen wie der Hinweg, sonst bleibt eine Differenz stehen.

Was vor dem Customizing zu entscheiden ist

  • Preisbasis: Kosten zuzüglich Aufschlag, Marktpreis abzüglich Marge oder fester Satz je Gesellschaftspaar. Davon hängt ab, ob die Findung rechnen muss oder nur nachschlagen.
  • Granularität: je Materialnummer, je Materialgruppe oder je Gesellschaftspaar. Je feiner die Regel, desto größer die Pflegelast — und Pflegelast ist der Grund, aus dem Verrechnungspreise veralten.
  • Führender Beleg und Stichtag: Was gilt, wenn Bestelldatum, Lieferdatum und Rechnungsdatum in verschiedene Gültigkeitszeiträume fallen.
  • Währung: welcher Kurstyp, welches Umrechnungsdatum, und ob der Satz in Konzern- oder in Landeswährung gepflegt wird.
  • Steuerfindung: Lieferland, Empfangsland und Steuerklassifikation entscheiden das Steuerkennzeichen. Reihen- und Dreiecksgeschäfte sind hier der Regelfall, nicht die Ausnahme.
  • Pflegeprozess: wer die Sätze einstellt, wer freigibt, in welchem Rhythmus und über welchen Weg sie ins System kommen.
  • Umgang mit rückwirkenden Anpassungen zum Jahresende. Ob sie als Belegkette laufen oder als Buchung im Rechnungswesen, ist eine Entscheidung — keine, die sich von selbst ergibt.

Wo es in der Praxis klemmt

Konzerninterne Belege haben keinen externen Kunden, der reklamiert. Ein falscher Verrechnungspreis fällt deshalb nicht am nächsten Tag auf, sondern im Abschluss — und dann rückwirkend für alle Belege seit der Umstellung.

Die zweithäufigste Ursache sind Stammdaten. Damit eine Gesellschaft an eine andere liefern kann, muss sie dort als Geschäftspartner geführt sein, mit passendem Verkaufsbereich, Steuerklassifikation und Zuordnung zwischen Werk und Buchungskreis. Fehlt eines davon, bleibt der Beleg unvollständig oder findet keinen Preis — und das Fehlerbild zeigt auf die Preisfindung, obwohl die Ursache im Stammsatz liegt.

Der dritte Punkt ist der Test. Eine Verrechnungspreiskette ist erst getestet, wenn beide Seiten geprüft sind: der Beleg in der liefernden Gesellschaft und der zugehörige Wertansatz in der empfangenden. Ein Test, der nur die Ausgangsseite abnimmt, beweist nichts — genau dort entstehen die Differenzen, die später niemand mehr zuordnen kann.

Was ich dabei nicht übernehme

Ich erstelle keine Verrechnungspreisrichtlinie und keine steuerliche Dokumentation. Die Methode und ihre Begründung kommen aus der Steuerabteilung oder von deren Beratern. Ich sorge dafür, dass die vereinbarte Methode im System ankommt, in den Belegen konsistent wirkt und im Betrieb pflegbar bleibt — und ich sage vorher, wo eine Methode im Standard nicht abbildbar ist.


Eng verwandt ist die Frage, über welche Belegkette der konzerninterne Verkauf überhaupt laufen soll: Dazu steht mehr unter Advanced Intercompany Sales und Stock Transfer. Wenn bei Ihnen eine Verrechnungspreiseinführung ansteht, hilft mir für die erste Einordnung: welche Gesellschaften beteiligt sind, welche Preisbasis vorgegeben ist und ob heute schon konzernintern geliefert wird. Über das Kontaktformular oder telefonisch.