Am Ende der Zuliefererkette steht die Abrechnung — und sie liegt im Automotive-Umfeld selten dort, wo man sie vermutet. Der Abnehmer rechnet selbst ab, der Zulieferer schickt gar keine Rechnung, und was hereinkommt, läuft je nach Partnervereinbarung über einen von drei verschiedenen Eingangsbausteinen.
Die Rechnung: INVOIC im Ausgang
Die Rechnung verlässt den Zulieferer als INVOIC aus der SD-Faktura, über den Ausgangs-Vorgangscode SD09 auf dem Baustein IDOC_OUTPUT_INVOIC. Ausgelöst wird sie über die Nachrichtensteuerung der Fakturierung, Konditionsart RD00. Die Gegenrichtung existiert ebenfalls, aber für die Käuferrolle: INVOIC im Eingang landet je nach Vorgangscode in der Logistik-Rechnungsprüfung oder in der Finanzbuchhaltung.
Im reinen Gutschriftsverfahren entfällt diese Rechnung. Der Kunde rechnet ab, der Zulieferer gleicht ab.
Das Gutschriftsverfahren hat zwei Enden
Gutschriftsverfahren im Einkauf und Gutschriftsverfahren im SD sind nicht dasselbe — es sind die zwei Enden derselben Nachricht. Beim Besteller entsteht die Gutschrift in der Rechnungsprüfung und geht als IDoc GSVERF hinaus: die automatische Wareneingangsabrechnung (ERS), Transaktion MRRL, im Automotive-Zuschnitt MRER, auf dem Baustein IDOC_OUTPUT_GSVERF. Dieselbe Nachricht bedient auch die Konsignationsabrechnung (MRKO) und die Neubewertung (MRNB) — drei Abrechnungsläufe, drei Ausgangsbausteine, ein Nachrichtentyp. Steuerkennzeichen ist XERSY im Bestellbeleg (EKPO) und in den Einkaufsorganisationsdaten des Lieferantenstamms (LFM1).
Beim Zulieferer kommt genau dieses IDoc im SD an und wird gegen Lieferung und Faktura abgeglichen. Verschiedene Module, verschiedene Bausteine, entgegengesetzte Richtung — gemeinsam ist nur der Nachrichtentyp.
Drei Eingangsvarianten, drei Bausteine
Auf der Eingangsseite entscheidet der Vorgangscode über den Weg. Die Varianten teilen sich die IDoc-Typen GSVERF01 bis GSVERF03, laufen aber unter drei getrennten Nachrichtentypen:
| Nachrichtentyp | Vorgangscode | Baustein | Verhalten |
|---|---|---|---|
| GSVERF | GSVE | IDOC_INPUT_GSVERF_START | bucht unmittelbar im SD, ohne Zwischenmonitor |
| SBWAP | SBAP | IDOC_INPUT_SBWAP | legt den Eingang in eigenen Belegtabellen ab, gesteuert über den Eingangsmonitor VSB1N |
| SBINV | SBII | IDOC_INPUT_SBINV_START | erzeugt unmittelbar eine Faktura |
Eine Objektsuche nach IDOC_INPUT_GSVERF* findet nur eine der drei Varianten. Wer so sucht, übersieht zwei Drittel des Verfahrens. Und SBWAP ist ein Nachrichtentyp, keine Transaktion — der Monitor heißt VSB1N, der alte VSB1.
Welcher Weg im Einsatz ist, steht in der Partnervereinbarung, nicht im Belegbild. Das ist die erste Frage bei jedem Fehlerbild „die Gutschrift bleibt stehen“.
Gutschriftsanzeige oder Ausgleichsrechnung
Die klassische GSVERF-Verarbeitung kennt zwei Wege. Bei der Gutschriftsanzeige gleicht der Baustein über den Belegfluss ausschließlich gegen die eigenen Fakturen ab — ein reiner Abgleich, es entsteht kein neuer Beleg. Bei der Ausgleichsrechnung werden Fakturen, Gutschriften und Lastschriften einbezogen, und bei Differenzen erzeugt der Standard einen eigenen SD-Beleg. Die Belegarten dafür stehen im Customizing.
Die Lieferungszuordnung entscheidet
Der häufigste Grund, warum ein GSVERF-IDoc mit Fehlerstatus stehen bleibt, ist eine nicht gefundene Lieferung. Welcher Weg gegangen wird, steuert ein Qualifier im IDoc-Segment:
- über die interne SAP-Lieferungsnummer — direkter Zugriff auf LIKP
- über die externe Lieferscheinnummer LIKP-LIFEX — die Nummer, die der Kunde kennt
- über die Konsignationsentnahme, ebenfalls mit LIFEX als Suchbegriff
Danach wird der Auftraggeber der Lieferung gegen die Steuertabelle geprüft, mit Fallback über die Lieferantennummer beim Kunden (KNVV-EIKTO). Schlägt alles fehl, bleibt das IDoc mit dem Status „Lieferung fehlt“ stehen.
Die Steuertabelle T665A
Die SD-seitige Steuertabelle des Gutschriftsverfahrens ist T665A, gepflegt je Auftraggeber. Darin stehen das Kennzeichen für Sonderregeln der Automobilfirmen sowie die Belegarten für Gutschriftsanforderung und Lastschriftsanforderung. Der Standardbaustein liest dieses Kennzeichen aus und verzweigt bei einer bestimmten Ausprägung auf eine abweichende externe Belegnummer — der Automotive-Zuschnitt ist im SAP-Standard also bis in die Belegnummernlogik eingebaut.
Zahlungsavis: REMADV im Eingang
Am Ende steht das Zahlungsavis. REMADV erreicht den Zulieferer als Eingangsnachricht auf den Basistypen PEXR2001 und PEXR2002, mit den Vorgangscodes REMA, REMC (mit Ausgleich im FI), CREA und DEBA. Einen Ausgangs-Vorgangscode für REMADV liefert SAP nicht aus — die Gegenrichtung erzeugt das Zahlungsprogramm direkt, dort ist der Empfänger ein Lieferant.
Die VDA-Seite und S/4HANA
Auf der VDA-Seite sind Rechnung und Gutschriftsanzeige heute in einer einzigen Empfehlung zusammengefasst: VDA 4938, Global INVOIC. Sie löst sowohl die alte Rechnungsübertragung VDA 4906 als auch die Gutschriftanzeige VDA 4908 ab, beide stehen bei der VDA auf Rot. Produktiv ist der EDIFACT-INVOIC-Teil; der XML-Teil für kleinere Unternehmen stand in der Liste vom August 2024 noch in Überarbeitung. Das Zahlungsavis ist mit VDA 4988 (REMADV) eine eigene Nummer, Vorgänger VDA 4907, ebenfalls Rot.
In S/4HANA ist das Gutschriftsverfahren technisch unverändert Standard: Eingangsmonitor VSB1N, Customizing ab T665B, Basistyp GSVERF03. SAP nennt es dort durchgängig Gutschriftsverfahren beziehungsweise Self-Billing.
Woran ich zuerst nachsehe
- „Die Gutschrift bleibt stehen.“ — welcher Vorgangscode: GSVE, SBAP oder SBII
- „Lieferung fehlt.“ — Qualifier im IDoc, dann LIKP-LIFEX und der Auftraggeber in T665A
- „Im Monitor ist nichts zu sehen.“ — VSB1N zeigt nur die SBWAP-Variante; die anderen beiden buchen ohne Monitor
- „Der Kunde bekommt keine Rechnung.“ — Nachrichtensteuerung der Faktura, Vorgangscode SD09
- „Es kommt keine Gutschrift.“ — auf der Bestellerseite XERSY in EKPO und im Lieferantenstamm
- „Das Zahlungsavis gleicht nicht aus.“ — Vorgangscode REMC statt REMA
Geprüft wird am konkreten IDoc, und ein Fehlerbild wird an einem funktionierenden Beleg gespiegelt: Was steht in der grünen Strecke anders als in der roten. Getestet wird über den echten Weg — Gutschriften über den Eingangsmonitor, kein Direktschreiben in die Belegtabellen. Jede transportfähige Änderung geht in einen Transport, auch die kleine.